»Die Rache der Väter« von S. A. Cosby ist ein Kriminalroman, der im Juli 2021 unter dem Originaltitel Razorblade Tears bei Flatiron Books erschienen ist. Er stieg inb die New York Times Bestsellerlistzer ein und wurde von Barack Obama in dessen Sommerliste vorgestellt und empfohlen. Ich habe diesen fantastischen Autor vor vielen Jahren mit den Originalfassungen kennengelernt und finde es ganz super, dass er bei ArsVivendi eine deutsche Heimat gefunden hat. »Die Rache der Väter« ist gerade als Taschenbuch im Handel erschieben.
»Die Rache der Väter« – weil Versöhnung nicht mehr möglich ist
In dem Roman »Die Rache der Väter« entfaltet sich die packende Geschichte von Ike Randolph und Buddy Lee Williams, zwei Männern, die eine dunkle und gewalttätige Vergangenheit teilen. Beide haben viele Jahre im Gefängnis gesessen und kennen sich mit Brutalität aus. Während sich der farbige Ike ein solides Unternehmen als Langschaftsgärtner aufgebaut hat, geht es bei dem Weißen Buddy Lee nicht so elgant mit dem Leben nach dem Knast. Seine Sätze und Gedanken sind eher gedankenlose Klischees gegenüber den Farbigen. Seinen Kummer ertränkt er in Alkohol und pflegt weiterhin Kontakte zur Unterwelt. Ihre Wege kreuzen sich bei einer Trauerfeier, nachdem ihre Söhne, die miteinander verheiratet waren und eine Tochter großzogen, in einem grausamen Akt der Vertuschung brutal ums Leben gekommen sind.
Keiner von beiden konnte gut damit umgehen, dass sein Sohn schwult ist. Um so ablehnender standen bei der Heirat ihrer Söhne gegenüber. Eine gleichgeschlechtliche Verbindung, die beide Väter aus ihrem Umfeld heraus nur ablehnen konnten. Beide Väter haben jahrelang den Kontakt zu ihren Kindern gemieden, weil diese schwul waren. Nun ist es zu spät für Versöhnung – und so bleibt ihnen nur noch die Rache. Gemeinsam begeben sich Ike und Buddy Lee auf eine blutige Jagd nach den Mördern ihrer Söhne, die sie tief in die Abgründe von Richmond, Virginia, führt.
Weder der eine noch der andere konnte akzeptieren, dass sein Sohn homosexuell ist. Ihre Ablehnung gegenüber der Heirat ihrer Söhne war deshalb umso ausgeprägter. Eine gleichgeschlechtliche Beziehung stieß bei beiden Vätern nur auf Verurteilung aus ihrem Umfeld. Jahrelang hatten sie den Kontakt zu ihren Kindern gemieden, weil diese schwul waren. Jetzt ist es zu spät für eine Versöhnung – und so bleibt ihnen nur noch die Rache. Gemeinsam machen sich Ike und Buddy Lee auf eine blutige Jagd nach den Mördern ihrer Söhne, die sie tief in die Abgründe von Richmond, Virginia, führt. Die Rache der Väter wird zur treibenden Kraft ihrer verzweifelten Suche.
Spannende Vielschichtigkeit mit schweren Themen
S. A. Cosby verwarbeitet gewohnt auch in diesem diesem Roman sehr vielschichtige und schwere Themen in einer kriminellen Handlung an. Wie eine Achterbahn nimmt der K;rimi mit der ersten Seite seine Fahrt auf, die immer rasanter wird und ohne dem Leser eine Pause zu gönnen. Es ist ein Rachethriller um die gesellschaftlichen Themen der Rasse, der Geschlechter und der Ausgrenzung aus einer Gesellschaft.
Beide Männer sind fest entschlossen, die Last der Schuld, die sie, wie sie annehmen, durch ihre unzureichende Vaterschaft tragen, zu begleichen. Sie sind sich klar darüber, dass sie keine guten Väter waren, weil sie selbst ihren Söhnen das „Schwulsein“ ausdtreiben wollten. Ihr Weg führt sie dabei zur inneren Reinigung und – in Cosbys Universum – zu einem Übermaß an Gewalt. Sie gehen nicht gerade zärtlich mit Leuten um, die sich ihnen in den Weg stellen.
S. A. Cosby verdeutlicht, wie Homophobie und Rassismus die Liebe gefährden können. Der Groll der Väter stellte eine schwere Bürde dar, die sie erst loswerden konnten, als es bereits zu spät war, um ihren Söhnen ihre Akzeptanz zu zeigen.
Der farbige Autor verwendet die Ermittlungen von Ike und Buddy Lee nach den Mördern ihrer Söhne sowie deren Drang nach Rache, um Themen wie Loyalität, die Intoleranz gegenüber Homosexuellen, die menschliche Gewaltbereitschaft und das Wesen von Gerechtigkeit zu beleuchten.
ein must read
Die Figuren spielen natürlich eine enorm wichtige Rolle. Besonders das auf den ersten Blick sehr ungleiche Parr mit Ike als Schwarzer und Buddy Lee als Weißer. Dabei stellen sie ja selbst schnell fest, dass sie gar nicht so unterschiedlich sind. Ihre gegenseitige Annäherung, die sich auch in den Gesprächen miteinander und schließlich in ihrem Verhalten zeigt, ist einfach grandois. Sie wirken wie die beiden Alten bei der Sesam-Straße, die auf dem Theater-Balkon sitzen und zoffen. Und es wundert auch nicht, dass sie sich gegenseitig vorwerfen, wie eine Kopie von dem und dem Schauspileer zu wirken. Doch es sind nicht nur witzige Sprechblasen, sondern jeder Satz hat Tiefe und beschreibt Einsichten über Rassismus und Homophobie.
Die Mitglieder einer Biker-Gang sind dabei nur dummdreiste Gesellen, die sich von den arroganten Reichen alles sagen lassen und offenbar nbicht in der Lage sind, selbst zu denken. Ein starker Kontrast zu der „guten Seite“ der Figuren des Romans.
Die kriminelle Handlung mit der Jagd nach den Mördern ist schlussendlich nicht weniger aufreibend wie die Entwicklung der Figuren. Es gibt einige überraschende Wendungen, mit denen man nicht rechnet, die aber der Handlung einen komplett neuen Verlauf geben. Nicht umsonst ist S. A. Cosby mittlerweile einer meiner Lieblingsautoren.
»Die Rache der Väter« erzählt von blutiger Rache, tiefgreifendem Wandel und möglicherweise sogar von gesellschaftliche Auswegen aus dem Dilammag. Dieser Roman wird oft als eines der fesselndsten Beispiele für zeitgenössischen amerikanischen Noir angesehen.
S. A. Cosby
Die Rache der Väter
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger
(Razorblade Tears)
ars vivendi
ISBN 9783747205181
Rezension von:
© Detlef Knut, Düsseldorf 2026
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