„Lehrerin einer neuen Zeit“ von Laura Baldini

Lehrerin einer neuen Zeit

Rom gegen Ende des 19ten Jahrhunderts. Die junge Frau Maria Montessori setzt sich in einer männerdominierten Studienwelt durch. Fest dazu entschlossen, ihr Medizinstudium erfolgreich zu beenden, gibt sie nicht auf und kämpft sich, entgegen aller Erwartungen der Männer und Kommilitonen, mit Bravour durch. Als erste Dotoressa Italiens wird sie plötzlich hochgelobt. Die schöne Frau ist bemerkenswert schlau, engagiert und glänzt in Ihren Vorträgen vor großem Publikum.

Die junge Maria Montessori

Schon während ihres Studiums arbeitet Maria Montessori neben zwei Assistenzstellen in zwei Krankenhäusern und ebenso in einer psychiatrischen Klinik mit schwachsinnigen Kindern. Als Maria den Schlafsaal der Kinder das erste Mal betritt, herrscht absolute Stille in dem kargen Raum. Die Kinder unterschiedlichen Alters sitzen still und starr auf ihrem Bett und starren mit ihren leeren, traurigen Blicken geradeaus. Montessori besteht darauf, den Kindern Spielzeug zu geben. Einfache Dinge, angefangen mit einem Knäuel Wolle über eine leere Zwirnspindel bis hin zu einer harten Drahtbürste. Diese Dinge reißen die Kinder aus ihrer Starre und sind der Beginn einer großartigen Studie und einer grandiosen pädagogischen Karriere.

Im Vorbeigehen auf das Buch aufmerksam geworden

Ich bin im Vorbeigehen bei einer Buchhandlung auf das Buch aufmerksam geworden. Aber nicht wegen dem Cover, denn leider erleben die historischen Romane alle ein geklontes Aussehen (alle sehen sie gleich aus; pastellige Farben, ein altes Gebäude im Hintergrund und einige Schnörkel), nein, es war der Titel, der mich angesprochen hat. Als ich den Namen Maria Montessori las, war meine Neugier geweckt. Ich habe natürlich von den Montessori-Schulen gehört, kannte als Kind auch ein Mädchen, dass eine solche Schule in Kaiserswerth besuchte. Aber wirklich auseinandergesetzt hatte ich mich mit dieser Lernform oder Form der Pädagogik nicht.

Lehrerin einer neuen Zeit
Lehrerin einer neuen Zeit

Das Buch ist sehr interessant und zeigt auf, welch schweren Weg die junge Frau zur damaligen Zeit gegangen ist. Sie wollte unbedingt Ärztin werden. Ihr Vater hat es mit Murren hingenommen, ihre Mutter stand ihr jedoch immer unterstützend zur Seite. Es war nicht leicht für sie. Sie musste immer als Letzte in den Vorlesesaal und durfte erst als Letzte auch wieder gehen. Sie hatte den „echten“ Studenten den Vortritt zu lassen. Ihre Sezierstunden musste sie allein am Abend, nachdem alle anderen fertig waren, im Lichterschein durchführen. All das hat den starken Willen der jungen Frau aber nicht gebrochen. Sie hat ihr Studium mit Bestnoten abgeschlossen und wurde nach dem öffentlichen Vortrag ihrer Abschlussarbeit mit stehenden Ovationen gefeiert.

Allerdings hat sich Montessori in ihrem Wirken verlagert und nicht mehr als Ärztin praktiziert, sondern sich voll und ganz den Kindern verschrieben. Sie hat den angeblich schwachsinnigen Kindern, die in irgendwelchen Irrenhäusern vor sich hinvegetierten, das Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt. Sie hat durchgesetzt, dass der Geist von Kindern gefördert werden, sich entfalten muss und ihnen die Hilfsmittel dazu wortwörtlich in die Hände gegeben. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Das eine Kind lernt motorisch, das andere visuell.

ein biographischer Roman, aber keine Biografie

Mehr möchte ich von der Handlung nicht verraten. Es ist ein biographischer Roman und keine Biografie. Die Autorin Laura Baldini beschreibt auch im Nachwort, dass die Recherche recht schwer war, da über die private Maria Montessori nicht viel herauszubekommen war und ist. Das Archiv ist in Amsterdam nach wie vor nicht zugänglich.

Nun, ich hatte bei Maria Montessori immer eine Lehrerin vor Augen, die sicherlich Kindern sehr geholfen hat, jedoch mir immer irgendwie unnahbar schien. Dieser Roman zeigte mir allerdings eine junge, schöne, mutige und kämpferische Frau, die voller Liebe für kleine Menschen war und darin aufgegangen ist, ihnen den Weg in ein „normales“ Leben zu weisen. Die diesen Kindern ihren Wunsch nach Wissen und Lernen in einer wundervollen Art und Weise erfüllt hat. Sie war einfach eine tolle Frau, deren Arbeit noch heute ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft ist.

Laura Baldini
Lehrerin einer neuen Zeit
Piper, München
ISBN 9783492062404

© Marion BrunnerBuchwelten, 2021
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