„Rote Tränen“ von Mike Landin

Rote Tränen

Der Teenager Jacob zieht gemeinsam mit seinen Eltern und seiner 13-jährigen Schwester Lena auf einen alten, verlassenen Hof in den Berchtesgadener Alpen. Jacobs Eltern sind in dem Ort aufgewachsen, haben ihn aber vor ca. 20 Jahren verlassen.

Auf einem verlassenen Hof in den Berchtesgadener Alpen

Jacob kam im Spreewald zur Welt und wäre dort eigentlich gerne geblieben. Aber es gab Anschuldigungen gegen seinen Vater, die der Grund für die Rückkehr nach Lennsberg in den Berchtesgadener Alpen waren. Abstand gewinnen und einen Neuanfang wollten Jacobs Eltern dort. Aber Jacob will dort nur das letzte Schuljahr schnell hinter sich bringen und dann nach Hause zurückkehren. Er sieht dieses eine Jahr als kurzes Intermezzo.

Die Probleme beginnen quasi schon auf der Fahrt zum Hallerhof, als ein proletenhafter Dorfbewohner einen Unfall provoziert und die Situation zu eskalieren droht. Dumm nur, dass es sich um einen sehr einflussreichen, wenn auch sehr unangenehmen Typen aus dem Ort handelt, der als Bürgermeisterkandidat großen Einfluss hat.

Dann beginnen Jacobs Eltern sich immer komischer zu verhalten. Die Tageszeitungen verschwinden umgehend, die beiden werden abwesender und schweigsamer. Jacob vermutet, dass es etwas mit dem in der Nähe verschwundenen jungen Mädchen zu tun hat und beginnt ein wenig nachzuforschen. Denn diese Fälle gab es schon vor 20 Jahren, als seine Eltern noch dort lebten. Die meisten Mädchen kamen nach einigen Tagen zurück, bis auf eines. Das wurde nie gefunden.

Hilfe und Unterstützungen bei seinen Nachforschungen und Recherchen bekommt Jacob von Hannah. Sie ist etwa gleich alt wie er und lebt allein mit ihrem Vater auf dem Nachbarhof. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut. Aber irgendwie scheinen die beiden Familien untereinander auch zusammenzuhängen.


Stimmung und Handlung erinnert an „Tannöd

Die Inhaltsangabe hat mich neugierig gemacht. Sie hat mich ein wenig an die Stimmung und Handlung von „Tannöd“ erinnert, darum habe ich das Buch ausgewählt. Dass der Autor Mike Landin den Roman als Selfpublisher bei BOD (Book on Demand) veröffentlich hat, störte mich dabei nicht. Viele Autoren machen das und ich habe darunter schon einige Schätze entdeckt.

Die Idee und die Handlung des Romans gefallen mir sehr gut, eine düstere oder extrem spannende Stimmung oder Atmosphäre zu schaffen ist dem Autor allerdings nur teilweise gelungen. Für mich hat der Roman sicherlich Potenzial, liest sich aber leider wie eine Rohfassung. Es gibt u.a. viele nicht gut ausgearbeitete Formulierungen.

Jeder Autor schreibt seine Geschichte erstmal runter, alles raus aus dem Kopf. Sortieren und am Feinschliff arbeiten machen sie später. Dann kann auch entschieden werden, ob es sich z.B. um eine Baumgruppe oder eine Ansammlung von Büschen handelt.

Ein professionelles Lektorat möchte ich dem Autor gerne ans Herz legen, denn dann wird der Roman garantiert richtig gut. Auch hatte ich das Gefühl, dass Landin alles an Dramaturgie und schlimmen Dingen in dem Roman verbauen wollte. Immer wieder eins draufgesetzt.

Achtung, jetzt Spoileralarm: Jacobs Vater wurde des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, darum der Umzug. Der angebliche Selbstmordversuch, der anschließende Mord. Jacobs Mutter erfährt, dass ihr Vater nicht ihr Vater war, sondern eigentlich ihr Onkel. Der Onkel lebt, der Vater kam bei einem dramatisch beschriebenen Autounfall ums Leben. Es werden viele Fährten geworfen und später irgendwie aufgelöst. Ich denke einfach, dass manchmal weniger ein bisschen mehr ist.

Der Schreibstil ist einfach und schlicht. Jacob erzählt die Geschichte in der Ich-Form. Die Charaktere sind recht gut gezeichnet und mir auch während der Lektüre nahe geworden.

Mein Fazit: Ein Thriller, der von der Idee wirklich gut ist und mit einem richtigen Lektorat ein wirklich tolles Buch sein kann. In dieser Form für mich „nur“ 3 Sterne.

Mike Landin
Rote Tränen
BoD
ISBN 9783751934961

© Marion BrunnerBuchwelten, 2020
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