Rosamunde Pilcher: Wechselspiel der Liebe

http://amzn.to/2czLXBsFlora lebt mit ihrem Vater in Cornwall. Sie ist 22 Jahre alt und möchte nun zu neuen Ufern aufbrechen: in London nach einer Wohnung und einem Job suchen. Für die Wohnungssuche kann sie zunächst bei einer Freundin unterkommen. Doch bevor es dazu kommt, erhält sie die schlechte Nachricht, dass aus der Unterkunft nichts wird, weil die andere Bewohnerin nun doch nicht verreist und somit kein Platz mehr ist. Flora sucht sich ein einfaches Hotel, stellt dort den Koffer an der Rezeption ab und schaut sich nach einem Restaurant fürs Abendessen um. Sie wird überaus freundlich vom Kellner hofiert. Doch ihre Verwunderung dauert nicht lange. Eine junge Frau in ihrem Alter betritt das Restaurant. Der Kellner schaut verblüfft von dem einen Gast zum anderen und zurück.

Liebe, Mord und ein Glas Wein – von Stefanie Gregg und Ingeborg Struckmeyer

„Einen Augenblick lang zögerte sie beim Aussteigen aus dem Zug, setzte aber dann entschlossen einen Fuß auf den Bahnsteig.“ So lautet der Anfang einer Geschichte, von dem die Krimiautorinnen Ingeborg Struckmeyer und Stefanie Gregg ausgegangen sind, um zwei ganz unterschiedliche Geschichten zu schreiben. Struckmeyer lässt eine Frau den Mann suchen, dem sie seit Jahren bittere… Mehr lesen …

Anne Sanders: Sommer in St. Ives

„Her name was Lola, she was a showgirl.“ Diesen Spruch hat Lola, die Protagonistin dieses Romans, schön öfters gehört.. Aber aus dem Mund von Chase Bellamy klingt er doch etwas anders.
Sommer, Sonne, Strand und Meer, dazu Meeresrauschen, Möwengeschrei, kieloben liegende Boote und eine Bildergalerie neben der anderen. Wenn dies auch etwas nach Klischee klingen mag, so ist das vielleicht nur in dieser Rezension so, denn in dem Roman beschreibt die Münchner Autorin sehr fein und mit viel Liebe zum Detail die Straßenzüge von St. Ives, die Landschaft von Cornwall und das Leben in diesem Landstrich. Bei den Lesern passende Bilder im Kopf hervorzurufen (Ich muss rot sein wie ein italienischer Kleinwagen.), fällt ihr leicht. Einfach zurücklehnen und die Bilder genießen, sollte zumindest beim Hörbuch gut funktionieren. Beim Lesen schweift man schnell vom Text ab und verliert sich in der cornischen Region.

Worum geht es in diesem Roman? Vor einem Jahr ist Großvater verstorben. Großmutter Elvira hat die Tochter Samantha samt Schwiegersohn Ben und den Enkelkindern Lynda, Lola und Luca an den Ort eingeladen, der für ihr eigenes Leben so prägend war. Noch im Flugzeug gehen alle davon aus, dass es sich um ein kleines Cottage handeln wird, in dem sie sich die nächsten sechs Wochen vergnügen dürfen, obwohl manchen von ihnen die Arbeit im Nacken sitzt. Doch dann werden sie bei ihrer Ankunft von einem großen Herrenhaus auf den Höhen überrascht. Die Großmutter erwartet sie schon, denn sie war wegen irgendwelcher Vorbereitungen eine Woche früher nach Cornwall gereist.

 Am ersten Tag wundert sich die Familie, dass sich Großmutter für den ganzen Tag über verabschiedet und erst am Abend wieder alle treffen werde. Noch dazu in einem Pub unten im Ort zu einem Konzert. Nun gut, alle wissen, dass Großmutter hin und wieder ein Klassikkonzert besucht. Um so überraschter sind sie, als sich herausstellt, dass es sich um ein Rockkonzert handelt. Die Familie versteht die Großmutter nicht mehr. Als nach dem Konzert der Gitarrist und Frontmann Sam Watson auf den Tisch der Familie zukommt, kommt es noch dicker …

Anne Sanders hat diesen Roman im Sprachspiel eines Tagebuches angelegt. Die sechsundzwanzigjährige Protagonistin Lola plaudert und plätschert ihre Erlebnisse so locker, als würde sie sie ihrem Tagebuch anvertrauen. Manchmal etwas zu locker, denn die Figuren sagen nichts, vielmehr quietschen, krächzen, schreien, quieken, quäken, brummeln und murmeln sie. Murmeln vor allem. Der Spannung und guten Laune beim Lesen kommt das aber nicht in die Quere. Auch der reichlich enthaltene Konfliktstoff, den die Familienmitglieder mit sich herumtragen, lässt keine wirklich düstere Stimmung aufkommen. Das gelegentlich schlechte Wetter in St. Ives sorgt ebenso wenig für Unbehagen, verbergen sich darin doch so manch spaßige Überraschungen.

Sander erzählt auf geschickte Weise gleich zwei Liebesgeschichten, die der Protagonistin Lola und die ihrer Großmutter Elvira. Sie erzählt von schwierigen Verhältnissen, welches die Frauen dieses Romans mit ihren Müttern hatten, und stellt dar, dass jede Generation mit ähnlichen Problemen zu tun hat und doch jeder seinen eigenen Weg gehen muss. Während die Hauptgeschichte von Lola selbst in der ersten Person erzählt wird, so erschließt sich die Geschichte der Großmutter über Rückblenden, die in der dritten Person erzählt werden. Stück für Stück setzt sich ein riesiges Familienpuzzle zusammen.
Ein rundum lesenswerter Roman für viel Sonne und Wärme im Herzen, der sich nach der letzten Seite nur schwer zuschlagen lässt.

Sanders, Anne
Sommer in St. Ives

Blanvalret Verlag, München
ISBN 9783764505462

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016
Fotos: © Regina Knut, 2014

Martha Grimes: Die Frau im Pelzmantel

Martha Grimes gehört seit vielen, vielen Jahren zu einer der großen Kriminalschriftstellerinnen aus den USA. Ihre Romane allerdings spielen häufig in England. So auch der vorliegende Fall für Inspector Jury.

Während eines düsteren Novemberabends sitzt Inspector Jury in einem Londoner Doppeldeckerbus und erblickt eine ungewöhnlich attraktive blonde Frau. Diese Frau ist elegant in einen Pelzmantel gekleidet und wird von einem Hauch Parfüm umgeben. Selbst für den Inspektor ist sie eine auffällige Erscheinung. Doch an einem Eingang zu einem der dunklen Parks in London verliert er die Frau aus den Augen. Am nächsten Tag wird die Leiche einer wunderschönen Frau in einem Pelzmantel entdeckt. Zwar identifiziert Jury diese Frau als diejenige, die er am Abend zuvor beobachtet hatte, aber es dauert nicht lange, bis ihm Zweifel daran kommen, dass es sich tatsächlich um dieselbe Frau handelt. Noch dazu, als er die vermeintlich Tote später erneut trifft. Sie bestreitet vehement, an besagtem Abend an dem Park gewesen zu sein. Seine Ermittlungen führen Jury aufgrund des Pelzmantels in die Umgebung einer Galeristenfamilie. Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an welchem er seinen Freund Melrose Plant, einen feinsinnigen Kunstkenner, in die Ermittlungen einbeziehen möchte. Die beiden Freunde haben einen ihrer schwierigsten Kriminalfälle zu lösen.

Bei diesem Kriminalroman handelt es sich um einen gemächlichen, humorvollen und spannenden Kriminalroman. Er ist in etwa eine Mischung aus Inspector Linley und Inspector Barnaby. Während Jury in London lebt und arbeitet, kommt sein Freund Melrose aus einem kleinen Dorf in der Nähe. In einem langen, aber unterhaltsamen, parallelen Erzählstrang werden dieses Dorf und Melrose detailliert eingeführt. Absolut nicht langweilig, obwohl sich der Leser dennoch manches mal fragen kann: Was hat das Ganze mit der Leiche in London zu tun? Doch besonders dieser Teil und Melrose haben große Ähnlichkeit mit dem aus dem Fernsehen bekannten Inspector Barnaby. Es fasziniert die komplette dörfliche Idylle, in der das gesamte Geschehen des Dorfes abgebildet wird, die Streitigkeiten der Dorfbewohner untereinander, die diesen Teil sehr humorvoll gestalten. Schrullige Dorfbewohner, die sich gerne streiten und sich auch auf die Schippe nehmen, sind für diese Atmosphäre zuständig. Parallel dazu ermittelt der Polizist, um den Täter für die Leiche zu finden und herauszufinden, was es mit der Doppelgängerin auf sich hat. Falls es eine solche ist. Als Jury dann seinen Freund nach London gerufen hat, beginnt dieser, in der Galeristenfamilie zu ermitteln. Das macht er sozusagen verdeckt, denn offen gibt er nicht zu erkennen, dass er für seinen Polizistenfreund arbeitet. Aber je weiter er in die Geheimnisse dieser Familie eintaucht, umso verworrener scheint der ganze Fall zu werden.

Bereits oben habe ich von einem gemächlichen Krimi gesprochen, was darauf hinweist, dass es kein besonders action-reicher und schnell geschnittener Kriminalroman ist. Er folgt eher der Tradition einer Agatha Christie, der mit einer detailgenauen Beschreibung versucht, den Leser auf die falsche Fährte zu locken. Die dargestellte Szenerie entspricht durchaus dem englischen Landleben und es ist gut vorstellbar, dass sich die Autorin viel Zeit bei ihren Recherchen genommen hat, um solch ein kleines Dorf im Süden Englands unter die Lupe zu nehmen. Der Roman bietet gute Unterhaltung mit einem sehr guten Rätselformat.


       
Grimes, Martha
Die Frau im Pelzmantel
Aus dem Amerikanischen von Cornelia C. Walter
Goldmann Verlag
ISBN 9783442450091
© Detlef Knut, Düsseldorf 2015