Schlagwort: humor

Kati Küppers und der gefallene Kaplan – Barbara Steuten

Niederbroich ist ein typisches Dorf am Niederrhein, in dem die Kirche den Dorf- und Lebensmittelpunkt bildet. Hier saust die Küsterin Kati Küppers mit ihrem apfelsinenfarbenen Hollandrad zwischen Kirche und Kapelle am Ortsrand hin und her, sorgt für frische Blumen und gebügelte Messgewänder, legt für die Jugend gelegentlich Jimi Hendrix im Pfarrzentrum auf und setzt sich… Mehr lesen …

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Horst Ewert: Ostrin

clip_image002Bezeichnenderweise ist der Untertitel dieses Buches der erste Teil eines Zitates und lautet: „Wenn die Welt untergeht, empfiehlt es sich, nach Mecklenburg zu ziehen …“ Die Auflösung folgt dann gleich darauf auf der ersten Textseite: „… dort passiert alles hundert Jahre später.“ Für dieses Zitat hat Ewert keinen Geringeren als Otto Fürst von Bismarck bemüht und bringt mit dem Buch gleich eine ganze Reihe von Beispielen dafür, dass sich das bis heute nicht geändert hat. Um es vorwegzunehmen: Es ist eine Satire, ein amüsantes Stück Unterhaltung nicht nur für Mecklenburger, sondern auch für Rheinländer.

Ostrin ist ein kleines verschlafenes Dorf im Norden von Neubrandenburg. Der Name ist vom Autor frei erfunden, trifft die Mecklenburgischen Ortsnamen aber bestens. Das trifft auch für das acht Kilometer entfernt liegende Nachbardorf Torfgrund zu. Es ist die Zeit der Wende um 1990/1991. Das Leben in Ostrin zu Zeiten der DDR wird für das Verständnis der Leser angerissen. Muss es auch, denn wenn der Leser verstehen soll, wie die Mecklenburger ticken, braucht es ein bisschen Vergangenheit. In Ostrin wird ein Bürgermeister gesucht. Das war beispielsweise zu DDR-Zeiten anders. Da wurde einer von der Partei vorgegeben. Dessen Wahl war obligatorisch. Am Stammtisch in der Kneipe stecken wichtige Leute aus beiden Dörfern nach dem Fußballspiel die Köpfe zusammen und vereinbaren, in den westlichen Tageszeitungen zu inserieren, um für jedes der beiden Dörfer einen Bürgermeister zu finden. Jeder könne sich bewerben, heißt es im Inserat, die anschließende Wahl wäre eine Selbstverständlichkeit. Das Inserat wird von zwei Freunden in Nordrhein-Westfalen gelesen. Beide treffen sich ganz gerne in Leverkusen zum Kölsch und Altbier, denn einer wohnt in Köln, der andere in Düsseldorf. Beide sind Beamte und beschließen, eine Wochenendtour nach Mecklenburg zu machen, um sich die beiden Dörfer anzuschauen. Beide können sich vorstellen, einen Bürgermeisterposten zu bekleiden und so wird möglichst viel an diesem ersten Wochenende mit den Redelsführern der Dörfer ausgehandelt.

Geht es schon vorher in den Dörfern drunter und drüber, so passiert beim Aufeinandertreffen von „Ossis“ und „Wessis“ nichts anderes. (Diese Worte stammen jetzt vom Rezensenten, sie werden im Buch nicht ein einziges Mal verwendet!) Mit einem liebevollen Blick hat der Autor die Menschen beobachtet und beschrieben. Selbst im Nordosten Mecklenburgs aufgewachsen lebt er seit einigen Jahrzehnten in Düsseldorf und kennt alle menschlichen Eigenschaften der beschriebenen Figuren höchstpersönlich. Mit seinen zwei fiktiven Dorfgemeinschaften, die im entferntesten Sinne auch an die NDR-Fernsehserie „Büttenwarder“ erinnern, bildet er mecklenburgische Dörfer und Menschen in der Nachwendezeit ab, die dort anzutreffen sind. Er zeigt auf humorige Art, wie die Dörfer ganz neu zu sich selbst finden mussten, welche Hürden sie nehmen mussten und dass nicht alles mit den arroganten Methoden mancher „Manager“ aus dem Westen funktioniert. Immer wieder spielt dabei der Zwist zwischen Köln und Düsseldorf eine Rolle, wobei der rheinländische Karneval eine ebenso wichtige Rolle einnimmt.

Es macht Spaß, den beiden aus dem Westen zuzuschauen, während sie sich bemühen, die mecklenburgischen Dörfer auf Vordermann zu bringen.

 

Ewert, Horst
Ostrin
SPICA-Verlag, Neubrandenburg
ISBN: 9783943168457

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015

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Nadja Quint: Verachte nicht den Tod

clip_image002 In diesem Düsseldorfer Kriminalroman geht es um den Tod und das Sterben an sich. In der Romanhandlung findet parallel zur Leichenschau ein dubioses Treffen einer Arzthelferin und eines Notars in einem großen renommierten Düsseldorfer Hotel statt. Die Kommissarin Evelyn Eick wird mit der Aufklärung des dubiosen Todes einer jungen Frau beauftragt. Schnell gelangt sie an die Arzthelferin. Sie muss feststellen, dass es hier Verbindungen zu einem Sterbehilfeverein gibt, der von den Niederlanden aus in Deutschland aktiv ist. Während ihrer Ermittlungen wird aus einer Klinik ein an Leukämie erkranktes kleines Kind entführt. Da die Krankheit der kleine Leonie für unheilbar diagnostiziert wurde, sieht die Kommissarin einen Zusammenhang zu dem Tod der jungen Frau und zu dem Sterbehilfeverein.
Parallel dazu hat die Düsseldorfer Kommissarin mit einem möglichen Sterbefall in der eigenen Familie zu kämpfen. Ihr Vater ist vor kurzer Zeit in ein Hospiz umgezogen. Auf eigenen Wunsch. Gelassen und mit etwas ironischem Humor erwartet er seinen eigenen Tod. Diese eigene Betroffenheit der Kommissarin stellt eine emotionale Verbindung zu den Fällen in ihrem Kommissariat her. Ihr Vater ist Ansprechpartner in Sterbensangelegenheiten. Möchte jemand freiwillig aus dem Leben scheiden, wenn er erfährt, dass er so krank ist? Oder möchte er es vielleicht gar nicht?
Die Autorin hat sich enge Verflechtungen zwischen dem Privatleben der Kommissarin und ihren dienstlichen Ermittlungen ausgedacht. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite liest man diesen Roman durch. Dabei geht es weniger um die Frage, wer der Täter ist, als vielmehr darum, wie die Kriminalkommissarin Evelyn Eick den Tätern auf die Spur kommt. Es sind zunehmend engere Verwicklungen und Wendepunkte eingebaut, die den Leser auf eine falsche Spur führen. Was aber einerseits den Leser bei der Stange hält, damit er das Buch nicht aus der Hand legt, ist andererseits auch zu viel der Verwirrung. Deshalb bekommt das Buch einen Punktabzug. Von welchen Verwirrungen spreche ich? Zunächst einmal völlig deplatziert und überflüssig sind alle paar Seiten Episoden eingestreut, nicht länger als eine Seite, die das Geschehen im Hintergrund beleuchten. Dazu gehören beispielsweise die Massenschlachtung von Schweinen, bei der ich heute noch nicht weiß, was die mit dem Fall zu tun hat, als auch andere Geschehnisse um die Opfer und Täter herum. Das sind Passagen die der Leser durchaus überblättern kann bzw. die das Buch auch kürzer gemacht hätten ohne es an Spannung fehlen zu lassen. Schließlich sind es die überaus vielen Figuren, die von der Autorin in diesem Roman eingeführt werden und für Verwirrung sorgen. Dabei handelt es sich oft um Figuren im privaten Umfeld der Kommissarin. Neben ihrem Vater im Hospiz gibt es den Bruder, es gibt den Gerichtsmediziner, in denen sie sich verliebt hat, es gibt die Freundin, eine Nonne. Das sind alles Figuren die mit der Handlung nichts zu tun haben, nur für Verwirrung sorgen und nicht auf die falsche Fährte führen. Zwischen den verschiedenen Auftritten dieser einzelnen Figuren sind manchmal so große Abschnitte, dass sich der Leser kaum daran erinnern kann, um wen es sich eigentlich handelt. Das gesamte familiäre Umfeld der Ermittlerin wäre besser in einem weiteren Roman aufgehoben, als alle Figuren in einem Debütroman auftreten zu lassen.
Der Titel des Romans ist zwar unterschrieben mit Kriminalroman aus Düsseldorf, jedoch hätte ich von der Autorin mehr Bekenntnis zu den einzelnen Lokationen erwartet. Schade, dass viele Namen verfälscht wurden.
Dennoch fällt mein Fazit mit vier von fünf Sternen recht positiv aus. Ich bin mit der durchaus gut gemachten Unterhaltungslektüre zufrieden und halte das Buch bis auf die kleinen Anmerkungen für empfehlenswert.

Quint, Nadja
Verachte nicht den Tod
Taschenbuch
KBV, Hillesheim
ISBN 9783942446648

© Detlef Knut, Düsseldorf 2013

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