„Wohin gehst du, wenn ich bleibe“ ist der zweite und leider letzte Band einer Dilogie von Lucia Sperling. Von ihr habe ich unter ihrem Klarnamen Lucinde Hutzenlaub schon einige Bücher gelesen, die mich begeistert haben. Und hier ist es nicht anders.
Inhaltsverzeichnis
Das Glück hat viele Gesichter
Die Welt von Kunsthistorikerin Olivia Lorenz, 47, gerät total aus den Fugen, als ihr Mann Philip ihr mitteilt, dass er nun, da der gemeinsame Sohn Vincent erwachsen ist, seinen Traum leben möchte. Er will den seinerzeit erworbenen Bauernhof restaurieren und ab jetzt dort leben. Aber nicht mit ihr. Sondern mit Yogalehrerin Aimee, 15 Jahre jünger als er, bei der Olivia ihre Stunden nimmt.
Auch will er, dass das gemeinsame Haus verkauft wird, da er das Geld für die Handwerker am Hof braucht. Genau wie ihre Welt bricht Olivia zusammen, gibt sich ihrem Selbstmitleid und dem Alkohol hin. Bis ihre Freundin Babette sie aus ihrem Loch heraus holt und Olivia beibringt, wie viel Schönes das Leben auch für sie noch zu bieten hat.
Der Weg einer verlassenen Frau
Sehr gefühlvoll und realistisch beschreibt die Autorin den Weg einer verlassenen Frau, die sich bisher über ihren Mann definiert hat und nun sehen muss, dass sie sich ein eigenes Leben aufbaut. Dabei stehen ihr so liebe Menschen zur Seite, die sie das ganze Negative, das mit einer Trennung einher geht, zwar nicht vergessen, aber sehr gut meistern lassen.
Der Vergleich mit der Häutung einer Schlange hat mir in dem Zusammenhang sehr gut gefallen. Denn aus der alten Olivia, die immer nur an andere gedacht hat, wird eine selbstbewusste, auf sich achtende Frau, die auf ihre innere Stimme und ihre Freundinnen hört und sich nun zwar nicht neu erfindet sondern sich selbst wiederfindet.
„Wohin gehst du, wenn ich bleibe“ – emotional und sehr realistisch
Lucia Sperling hat mich mit ihrem emotionalen Erzählstil, der weder reißerisch noch naiv wirkt, schnell gefesselt und ich bin Olivias Weg sehr gerne mit ihr gegangen. Sowohl in ihr tiefes Tal mit Schlabberlook und Alkohol, als auch den Weg wieder heraus. Und ich habe mir immer wieder gedacht: Solche Freunde sollte jede Frau haben. Nicht nur für die guten Zeiten. Auch wenn man mal einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten braucht.
Aber nicht nur Olivia hat aus dieser Erfahrung gelernt. Ich habe den Eindruck, auch Philip, den ich anfangs gar nicht ausstehen konnte, hat aus seinem Verhalten seine Lehren gezogen.
Fazit
Ein emotionaler, sehr realistisch geschriebener Roman über das Ende einer Ehe und den Neuanfang einer wirklich tollen Frau. Mir hat er ein paar sehr unterhaltsame Lesestunden geschenkt.
Rezension von
© Gaby Hochrainer, München 2024
Was es sonst noch gibt: Bücher, die gefallen

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