Drachenbanner

»Drachenbanner« von Rebecca Gable

Der historische Roman »Drachenbanner« von Rebecca Gable ist der siebte Roman in der Reihe der Waringham-Saga. Die Geschichte um das Geschlecht der Waringhams verliert nicht ihre Reize. Sie macht immer wieder Spaß und verschafft unterhaltsame Stunden.

»Drachenbanner« – Waringham Saga Band 7

In »Drachenbanner« steht Simon de Montfort, Earl of Leicester mit französischer Herkunft, im Mittelpunkt. Er führte die erste Revolution auf englischem Boden an, um seinem Schwager König Henry III. Einhalt zu gebieten. Simone de Montfort war der Begründer des Parlaments, des Houses of Commons.

Die Geschichte der realen historischen Persönlichkeit wird eingebettet in die Liebesgeschichte des Leibeigenen Bedric am Hof der Waringhams und der Tochter Adele des Lord of Waringham. Beide sind an derselben Brust aufgewachsen und groß geworden. Bedrics Mutter war Adeles Amme. Beide können sich ein Leben ohne den anderen nicht vorstellen, aber sie wissen, dass sie auf unterschiedlichsten Ebenen in der Gesellschaft nicht stehen könnten. Es wird kein gemeinsames Leben geben dürfen. Und trotzdem …

Rebecca Gable hat mit diesen drei Figuren gleich zwei Spannungsbögen für die 900 Seiten geschaffen, die die Leser an den Roman fesseln. Während man sich in der einen Sache noch über das Internet informieren kann, ist eine Lösung für die fiktive Liebesgeschichte dort nicht zu finden.

Besonders pikant für die Kenner dieser Familiensaga ist die Tatsache, dass wir es hier wieder mit einem „bösen“ Waringham zu tun bekommen. Denn üblicherweise ist der Name der Waringham positiv besetzt.

Die Verflechtung der historischen Begebenheiten mit einer fiktiven, spannenden Geschichte ist das besondere Können der Schriftstellerin. Gable verzahnt so mikroskopisch detailgenau die realen und fiktiven Elemente miteinander, wie man es kaum bei anderen Schriftstellern finden wird. Dabei denke ich an Autorinnen wie Philippa Gregory, Miranda Melins oder Hilary Mantel. Ausgenommen hiervon ist Ken Follett, der auf ähnlich hohem Niveau wie Rebecca Gablé schreibt.

Gablés Beschreibungen von Örtlichkeiten und Situationen sind so plastisch, dass man meint, direkt vor Ort zu sein, dieselben Wege zu durchschreiten, zwischen den Sprechenden zu stehen, an deren Tafeln zu speisen. Mehr Glaubwürdigkeit geht kaum. Aber sie bleibt auch nicht bei dieser Beschreibung, sondern neben romantischen Momenten kommen die Schlachten ebenfalls nicht zu kurz. Präzise stellt sie die Schwerthiebe und umstürzenden Pferde dar. Man taucht ein in das Getümmel.

Die Waringhams

Es ist erstaunlich, welches Eigenleben das Geschlecht der Waringham im Laufe der Jahre entwickelt hat. Die bislang sieben Romane spielen immer wieder in unterschiedlichen Epochen. Vom ersten bis zum letzten Band wird keine chronologische Abfolge derer von Waringham aufgezeigt. Trotzdem schafft es die Autorin, immer wieder neue Aspekte der Familie einzubringen, wenn ein Roman der Reihe mal einige hundert Jahre in der Geschichte zurückgeht.

Der vorliegende Band spielt zum Beispiel im 13. Jahrhundert, während man mit »Der dunkle Thron« bereits im 16. Jahrhundert war. Auch diese Sprünge sind faszinierend und sehr spannend. Aber eines bleibt: die Waringham stehen loyal zur Krone und sind für die Pferde der Royals verantwortlich.

Besonders schon wie in jedem Roman von Rebecca Gablé sind die Nachbemerkungen. War ich beim letzten Kapitel noch der Meinung, es müsste eigentlich sofort ein weiterer Roman folgen, der genau an diesem Ende anknüpft, weil ich das Geschehen in der Historie aber auch der Figuren weiterverfolgen wollte, so wurde ich mit den Nachbemerkungen zufriedengestellt. Die Darlegung, was auf Wahrheiten beruht und was dramaturgisch fiktiv der Historie hinzugefügt wurde, klärt umfangreich auf. Super!

Dieser Roman hat sehr viel Spaß gemacht. Das lange Warten darauf hat sich gelohnt und es wird sich bestimmt auch zukünftig auf den nächsten lohnen.

Rebecca Gable
Drachenbanner
Lübbe, Köln
ISBN 9783785728086

Rezension von:
© Detlef Knut, Düsseldorf 2022
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