„Böses Blut“ von Robert Galbraith

Böses Blut

In „Böses Blut“ wird Cormoran Strike während eines Besuchs bei seiner Familie in St. Mawes, Cornwall im dortigen Pub von einer jungen Frau angesprochen. Ihre Mutter, die Ärztin Margot Bamborough, verschwand im Jahr 1974 und weder sie noch ihre Leiche wurden je gefunden. Es ist Strike und Robin Ellacotts erster Cold Case Fall und weckt beider Neugier und Interesse, darum nehmen sie den Fall an. Das damalige Verschwinden geschah unter mysteriösen Bedingungen und der erste ermittelnde Kommissar wurde offensichtlich wahnsinnig. Dessen Nachfolger rollte damals den Fall zwar nochmal auf, jedoch eher mit dem Hintergrund seinen Vorgänger bloßzustellen.

„Böses Blut“ Cormoran Strike und Robin Ellacotts erster Cold Case Fall

Robin Ellacott hängt gerade inmitten eines hässlichen Scheidungsverfahrens. Matthew scheint nach wie vor so gekränkt und in seiner Ehre verletzt, dass er Robin ziemlich alle Knüppel zwischen die Beine wirft, die er nur finden kann.

Strikes Tante, die ihm die einzige echte Mutter war, leidet an Krebst und liegt im Sterben. Seine Ex Charlotte stalkt ihn, weil sie in ihrer Ehe und Mutterrolle unglücklich ist und darauf hofft, dass sie Strike wieder erweichen kann.

Aber auch wenn sowohl Strike, als auch Robin es in privater Hinsicht wieder einmal alles andere als leicht haben, so geben sie beide doch ihr Bestes; um Licht in diesen alten, dunklen, undurchsichtigen Fall zu bringen…

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Was ist für mich ein gutes Buch? Z.B. eines; das 1200 Seiten hat und ich dennoch nicht möchte, dass es aufhört. Genau so war es hier auch schon wieder. Bisher sind alle Teile der Reihe um Cormoran Strike recht dicke Schmöker, ist weiß nicht, ob dieser hier der dickste ist. Aber eines weiß ich genau. Ich wäre zu gerne noch dort geblieben: zwischen den Buchdeckeln in London in der Denmark Street. Hätte gerne noch einige weitere Tage an der Seite von Strike und Robin verbracht. Ich liebe diese London-Krimis mit ihrem britischen Charme, ihren tollen Charakteren, mit den verzwickten Fällen, die so gut durchdacht sind.

Ich mochte J.K. Rowling ja schon zu Potter-Zeiten sehr. Ich bin der Meinung, dass sie mit jedem Roman „gewachsen“ ist. Man konnte es quasi fühlen, wie ihr Schreibstil immer besser wurde. Die Autorin hat ein Händchen für Figuren, Personen, tolle Charakter und schöne Orte. Sie liebt London und sie liebt England. Sie nimmt uns z.B. mit an die Küste, in alte und urige Pubs, lässt uns den dortigen Flair sehen und spüren. Ich kann überhaupt gar nicht nachvollziehen, warum Leute Ihre Werke, die unter diesem Pseudonym entstanden, niedermachen. Kapier ich einfach nicht. Sie liefert als Robert Galbraith erstklassige Krimis ab, die sowas von spannend, logisch und gut ausgearbeitet sind, dass mein Leserherz voll auf seine Kosten kommt.

Mir sind die beiden Protagonisten sehr ans Herz gewachsen, die ja eigentlich beide absolute Anti-Mainstream-Helden sind. Aber gerade das macht die beiden aus. Galbraith wechselt in ihren Kapiteln immer die Sichtweise ab. Es gibt immer ein Robin-Kapitel, gefolgt von einem Strike-Kapitel. Natürlich kommunizieren die beiden in den jeweiligen Kapiteln miteinander. Das erhöht die Spannung ungemein, denn wenn ein Robin-Kapitel mit einem Cliffhanger endet, muss ich ja wissen, wie es weitergeht und man will schnell wieder dorthin. Umgekehrt ist das genauso.

Böses Blut
Böses Blut

In diesem Teil der Reihe wird der Leser auch wieder mit auf eine Reise zurück in die 70er Jahre genommen. Wir ermitteln mit den Protagonisten im alten London und werden zurückversetzt in die damalige Zeit. Astrologie spielt in diesem Teil ebenso eine Rolle wie Bandenkriminalität á la „Der Pate“.

Neben dem Hauptfall, in dem die beiden ermitteln, gibt es immer noch weitere Fälle, die ebenso durch die Detektei bearbeitet werden müssen und nicht minder spannend, oft sogar herrlich skurril sind. Nicht zu vergessen, die (auch) privaten Angelegenheit von Robin und Cormoran, die auch immer einen wichtigen Teil der Handlung ausmachen. Man merkt schon, ich komme ins Schwärmen und das zu Recht. Dieser Teil hat mir wirklich richtig tolle Lesestunden bereitet und ich bin sehr traurig, dass es vorbei ist und ich wieder warten muss, bis ich den beiden wieder begegne.

Ich würde so gerne von einer Stelle erzählen, bei der ich laut lachen musste, aber dass würde leider ein Spoiler sein. Also, lasst euch nicht von dicken Büchern abschrecken! Geschichten sind immer so lang, wie es braucht, sie zu erzählen. Und ich verspreche in diesem fall, dass es zu keiner Zeit langweilig oder zäh wird.

Wer Lust hat meine anderen Rezension der Reihe zu lesen, der kann ja HIER mal reinschauen.

Robert Galbraith
Böses Blut
Aus dem Englischen von Wulf Bergner, Christoph Göhler und Kristof Kurz
blanvalet, München
ISBN 9783764507688

© Marion BrunnerBuchwelten, 2021
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