„Hättest Du geschwiegen“ von Susanne Mischke

hättest du geschwiegen

Da ich schon einige Male mit dem Team um Kommissar Völxen in Hannover unterwegs war, war ich schon sehr auf diesen neuen Fall gespannt. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Sehr spannend und interessant

Aber der Reihe nach:

Um ihre magere Rente ein bisserl aufzubessern, geht die ehemalige Krankenschwester Else Dorn in aller Herrgottsfrühe Flaschen sammeln. Dabei stößt sie auf deine Leiche. Bild-Starreporter Bodo Markstein wurde erschlagen. War er an einer heißen Story dran? Hat es etwas mit dem Tod der Rotlichtgröße Hannes Piekenbrock zu tun, an dessen Nachruf Markstein gearbeitet hat?

Viele Freunde hatte sich der Reporter in seiner Laufbahn nicht gemacht und so stehen Kommissar Völxen und sein Team vor einer Menge Tatverdächtiger.

Die Mitglieder des Dezernats für Todesermittlungen der Polizeidirektion Hannover, die ich sehr detailliert in der Vorderklappe des Buches kennenlerne, stehen stark unter Strom. Fast keine Spuren am Tatort, jede Menge Verdächtige, keinerlei Anhaltspunkte. Trotz aller Widrigkeiten nähern sie sich schließlich ganz langsam einem Täter.

Ich finde es sehr interessant, wie Susanne Mischke es immer wieder schafft, den meist drögen Dienstalltag der Kommissare so spannend aussehen zu lassen. Vielleicht, weil ich mich sehr schnell mittendrin im Geschehen und in alles mit eingebunden fühle. Die Spannung steigt bei jedem neuen Kapitel. Themen wie Drogen, Loverboys, Prostitution, Altersarmut, die Russenmafia oder Mitglieder einer Rockergang, die sogar in einer brenzligen Situation zum Helfer der Polizei werden, bindet die Autorin geschickt in die Geschichte ein.

Obwohl es sehr viel zu tun gibt, kommt das Persönliche der Kommissare nicht zu kurz und gibt hier und da sogar Anlass zu einem Schmunzler. So schlägt sich Fernando Rodriguez mit einem veganen Imbiss genau gegenüber der Tapasbar seiner Mutter herum. Außerdem lüftet Fernando ein kleines Geheimnis. Bodo Völxen bangt jede Nacht um seine kleine Schafherde, die vom Wolf bedroht ist. Und Erwin Raukel – der kommt immer noch nicht an einem offenen Kiosk vorbei ohne ein Schlückerl oder zwei zu nehmen. Elena Rifkin, die für Jule Wedekin, die zum LKA gewechselt ist, ins Team gekommen ist, hat diesmal die, wie ich finde, größte Last des Teams zu schultern und schlägt sich damit prima.

Ein wunderbares Abschlussbild geben der Kommissar und sein Nachbar, der Hühnerbaron nach getaner Arbeit am Zaun stehend und den Abend bei einer Flasche Bier genießend ab. Das lässt die Schrecken des Falles und das scheußliche Drumherum etwas vergessen.

Ich habe es auch diesmal wieder genossen in die niedersächsische Landeshauptstadt zu reisen und mit Völxen und seinem Team zu ermitteln. Wer Spannung gepaart mit privaten Einblicken mag, hier und da bei einem Krimi sogar lachen mag, ohne dass der Kern der Geschichte darunter leidet, der ist hier genau richtig. Nicht nur für Hannover-Liebhaber ein Muss.

Susanne Mischke
Hättest Du geschwiegen
Piper, München
ISBN 9783492061360
 

© Gaby Hochrainer, München 2020
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