„Ein letzter Frühling am Rhein“ von Frank Wilmes

Ein letzter Frühling am Rhein

Chira Walldorf, 28, international gebuchtes Model, liegt tot in ihrer Luxuswohnung hoch über dem Rheinufer in Düsseldorf. Durch einen anonymen Hinweis werden Kriminalhauptkommissar Kilian Stockberger und seine Kollegen Oberkommissarin Cosima Winkler und Kommissar Miko Reichenhaller darauf aufmerksam gemacht und beginnen mit ihren Ermittlungen…

Frank Wilmes sorgt für sehr gute Unterhaltung

In seinem Krimi nimmt Frank Wilmes den heutzutage teils sehr übertrieben Schönheitswahn unserer vor allem weiblichen Gesellschaft auf´s Korn. „Ich habe mir Deine Schönheit geliehen“ ist da ein Satz, der immer wieder vor kommt und den Nagel auf den Kopf trifft.

Die verschiedenen Menschen, die ich aus dem Umfeld von Chira kennenlerne, allen voran ihre Mitbewohner aus dem Penthouse, haben ihre Macken, Marotten und Eigenheiten, die der Autor sehr gut vorstellbar hervor bringt. Ich tauche tief in die Kindheit und Jugend der Toten ein, die vom idyllischen Landleben in die Hetze der Metropolen hin und her springt. Die aber ihrer Heimat und vor allem der Kirche immer verbunden bleibt.

Auch die Ermittler lerne ich in für mich genau richtiger Dosis immer näher auch in ihrem privaten Bereich kennen. Besonders die Gedankenspiele zwischen Stockberger und seinem Freund Dr. Robert Kirsch, Psychologe und Bestseller-Autor, finde ich sehr interessant und auch unterhaltsam. Kirsch nimmt sich des Falles ebenfalls an, als inoffizieller „Profiler“.

Der Fall selbst entpuppt sich als sehr verzwickt

Der Fall selbst entpuppt sich als sehr verzwickt und ich folge den Ermittlern auf den sehr vielseitig angelegten Spuren ganz langsam in Richtung Täter. Kirsch entwirft zwar relativ schnell ein Bild des möglichen Täters. Es dauert aber noch sehr lange, bis ich ihm endlich auf die Spur komme. Und da bin ich entsetzt wegen seiner krusen Denkweise.

Der Schreib- und Erzählstil von Frank Wilmes hat mich sofort gepackt und mitgerissen. Er schreibt so einfühlsam und berührend, an anderer Stelle sehr direkt und fordernd. Zum Teil sehr kurze Kapitel lassen auch mal eine Pause zum Überdenken der psychologischen Gedankenspiele zu.

Ein Krimi von Frank Wilmes, der mich sehr gut unterhalten, aber auch nachdenklich gemacht hat. Eine Geschichte, in der ich Menschen begegne, die ich im wahren Leben nie kennenlernen würde. Mit einer Sehnsucht, die ich für mich nur schwer nachvollziehen kann.

Frank Wilmes
Ein letzter Frühling am Rhein
Gmeiner Verlag
ISBN 9783839228173

© Gaby Hochrainer, München 2021
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