„Der Tote aus dem See“ von Walter Christian Kärger

Der Tote aus dem See

Strafverteidiger Heribert Döllinger findet für die allermeisten seiner meist sehr zahlungskräftigen Mandanten immer noch ein klitzekleines Schlupfloch am Gesetz vorbei. Moral oder Skrupel kennt er nicht. Seine Erfolgsquote ist extrem hoch. Das alles nutzt ihm nichts, als er nach einem sehr erfolgreichen Casinoabend auf der Fähren zwischen Konstanz und Unteruhldingen durch den Bolzen einer Armbrust stirbt.

Krimilektüre vom Feinsten

In einer Woche ist wieder Jagd im Privatwaldgebiet der Familie Waldegg-Haunstetten. Ausgangspunkt hierzu ist das Jagd- und Lustschloss Adelheid mitten im Wald. Als sich Elise und ihr Bruder Eduard den Zustand des Schlösschens nach einem orkanartigen Sturm ansehen wollen, werden sie von einem Armbrustschützen in einem Lieferwagen entführt.

Hauptkommissar Max Madlener und seine Kollegin Harriet Holtby von der Kripo in Friedrichshafen erkennen schnell, dass die beiden Verbrechen irgendwie zusammen gehören. Eine Jagd beginnt, bei der die beiden Ermittler von höherer Stelle nicht nur dauernd Steine in den Weg gelegt bekommen….

Die ersten 37 Seiten sind gute Unterhaltung bei der ich Rechtsanwalt Döllinger, Hauptkommissar Max Madlener und seine Kollegin Harriet Holtby, die sich gegenseitig Mr. Crawfort und Agent Starling nennen, etwas näher kennenlerne. Aber dann die Entführung der hoheitlichen Geschwister – und die Spannung steigt rapide an, hält sich durch das ganze Buch mal sehr hoch, dann wieder unterschwellig, ist aber immer da. Bis der Bogen zum Ende hin zum zerreißen gespannt ist und dann mit einem Knall in sich zusammen fällt.

der sechste Fall für Max Madlener

Dies ist schon der sechste Fall für Max Madlener. Für mich ist es der erste, wird aber bestimmt nicht das einzige Buch bleiben, das ich von diesem mir bisher unbekannten Autor lesen werde.

Walter Christian Kärger hat eine Schreib- und Erzählweise, die mich sofort eingefangen hat. Egal, ob es gerade richtig spannend zur Sache geht, ob er die reizvolle Landschaft um den Bodensee herum beschreibt, ob er kurz auf die Entführung Paul Gettys eingeht oder ob er Passagen, bei denen ich auch mal schmunzeln kann, schreibt. Immer hänge ich wie gebannt an seinen Worten um nur keines zu verpassen. Das hatte ich so schon länger beim Lesen nicht mehr.

Mit Walter Christian Kärger hat es seit langem mal wieder ein Mann auf die Liste meiner Lieblingsautoren geschafft.

Sehr schnell sind mir der unkonventionelle Kommissar und seine taffe Assistentin ans Herz gewachsen. Die Beiden ergänzen sich großartig und man merkt, wie gut sie aufeinander eingespielt sind. So hart sie sich auch manchmal geben, kommt doch immer wieder auch ihr weiches Herz ans Licht.

Alle Protagonisten erscheinen mir, als würde ich sie irgendwoher kennen. Menschlich mit ihren Schwächen, Ängsten, ihrem Mut und ihrer Verzweiflung kann ich sie mir sehr gut vorstellen. Mit einigen hatte ich anfangs Mitleid, das sich dann in Wut gewandelt hat. Sogar dem Täter habe ich Verständnis entgegengebracht, bis er mir dann doch zu weit ging. Aber das alles muss man selbst lesen.

Da ich ja in den Gedanken des Entführers mit dabei bin, bin ich den Kommissaren immer einen Schritt voraus. Hier hätte ich ihnen so gerne hin und wieder einen Tipp gegeben. Aber auch, wenn ich sehr bald weiß, was hinter dem Fall steckt, war er nicht weniger spannend.

Jeder, der mal wieder so richtig gut kriminell unterhalten werden will, sollte hier unbedingt zugreifen. Ich bin auch zwei Tage nach dem Lesen immer noch ganz fasziniert und begeistert.

Walter Christian Kärger
Der Tote aus dem See
emons, Köln
ISBN 9783740807955

© Gaby Hochrainer, München 2020
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