»Monster« von Kurt Palm


Eigentlich bin ich über die Inhaltsbeschreibung zu diesem Buch gekommen. Sie hatte mich neugierig gemacht. Freudig machte ich mich ans Lesen, doch nach kurzer Zeit musste ich das Buch beiseite legen. Selbst nach fünfzig Seiten wusste ich noch nicht, worum es überhaupt ging. Vier Wochen später nahm ich es wieder in die Hand und konnte es bis zum Ende lesen, wobei ich mich sogar gut unterhalten habe. Was war passiert?

Ich hatte zu Beginn falsche Erwartungen gehabt. Ich war von einem Roman ausgegangen. Doch es ist kein Roman im eigentlichen Sinne, es wird keine Geschichte von vorne bis hinten erzählt. Vielmehr handelt es sich um eine Satire, um eine Groteske. Aus diesem Blickwinkel heraus konnte ich es gut lesen und verstehen.

Doch worum geht es? Es geht um einen Monsterfisch, der im Bergsee sein Unwesen treibt. Es geht um Flüchtlinge aus Nigeria, die nicht gern gesehen sind. Es geht um eine Innenministerin, die sich mit dem Ebola-Virus ansteckt. Es geht um zwei Vampir-Mädchen, die sich bei einem Unternehmer ein gutes Vergnügen suchen. Es geht um einen Polizisten, der seine Ängste durch Stricken zu heilen versucht. Es geht um einen Lynchmord an einen amerikanischen GI im Jahre 1945, der nicht gesühnt wurde. Es geht um einen volksrocknroller Andreas, der nicht nur seine Stimme verliert. Es geht um eine lesbische Beziehung, die zu wachsen beginnt und es geht mit Allem schließlich um ganz viel Gesellschaft und Politik.

Mit viel Feingefühl und einem stets ironischen Zungenschlag nimmt Palm alles aufs Korn, was in der heutigen Gegenwart in unserer Gesellschaft passiert. Aus den oben aufgelisteten Inhalten geht schon hervor, wie alles von ihm zur Absurdität getrieben wird. Das war der Grund, warum ich beim ersten Mal mit dem Lesen gescheitert war. Diese Angriffe auf Politik und Gesellschaft haben mir sehr gut gefallen. Sie zeigen dass es nicht nur in Deutschland, solche Wildwüchse gibt sondern auch anderswo in der Welt, zumindest in Österreich. Nicht gefallen hat mir, dass etliche Stränge und Geschichten nicht zu Ende geführt werden. Es bleiben viele Fragen offen, auf die man als Leser gerne noch eine plausible Antwort bekommen hätte. Empfehlenswert für alle die gern mit einem satirischen Auge lesen. So ist es halt, wenn man einen Autor für sich entdeckt, von dem man noch nichts gelesen, gesehen und gehört hat!

Kurt Palm
Monster
Deuticke Verlag

ISBN 9783552063945

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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