Annette Wieners – Fuchskind

Es ist Herbst und die Blätter fallen von den Bäumen auf die Wege des
Friedhofes, auf dem Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes arbeitet. Nachdem
ihr schon ein Fuchs auf einem der Wege begegnet ist, findet sie unter
einem Rhododendron eine blaue Babyschale mit einem kleinen Jungen.
Erinnerungen an ihren eigenen toten Sohn werden wach.
Draußen, vor dem Friedhof, an der Bushaltestelle wird eine nackte tote Frau gefunden. Ist das die Mutter des Kindes?
Als ehemalige Kommissarin ist es für Gesine keine Frage, dass sie beginnt, nach den Eltern des Kindes zu forschen.
Ich bin mir nicht sicher, ob das Kommissarin Marina Olbrich, die in dem Mordfall der toten Frau ermittelt, gefällt…

2 Erzählstränge, die sich immer wieder überschneiden:
Zum einen wird der Fortgang der Geschichte aus Sicht von Gesine
Cordes erzählt. Zum anderen bin ich bei den Ermittlungen von Martina
Olbrich dabei, die bis nach Georgien führen.
Spannend ab der ersten Seite, mit einigen Wendungen und vielem
Unvorhersehbarem hat das Lesen und mit ermitteln richtig Spaß gemacht.
Doch auf den/die richtigen Täter bin ich erst sehr spät gekommen. Immer
haben mir kleine Puzzleteilchen gefehlt.
Ich mag die vielschichtigen Charaktäre mit ihren großen und kleinen
Schwächen, Fehlern aber auch Stärken. Gerade Gesine Cordes ist eine
Frau, die man gerne mal unterschätzt. Ich habe diese vom Schicksal stark
gebeutelte Frau gleich in mein Herz geschlossen, obwohl ich mit ihrem
Handeln nicht immer einverstanden war bzw. es nicht immer verstanden
habe.
Die Geschichte selbst hat ein sehr realistisches Thema und ist gut
nachvollziehbar aufbereitet. Kinderhandel im Ausland, Prostitution, der
Tod eines Kindes, 2 Halbwaisen, ein illegal geführter Verein mit illegal
eingereisten Personen, und natürlich Mord – alles hat hier seinen Platz
gefunden und wurde sehr gut in die Geschichte integriert. Aber auch
eine beendete Liebe und eine vielleicht bald neu beginnende haben ihren
Platz.
Vielleicht sollte man, um schon an die Personen herangeführt zu
werden, doch als erstes den ersten Band um Gesine Cordes lesen:
Kaninchenherz. Und genau das werde ich jetzt nachholen.
Ich habe sogar noch etwas gelernt:
Zwischen den einzelnen Kapiteln werden heimische Giftpflanzen
skizziert, vorgestellt und erklärt, die im voran gegangenen Kapitel
erwähnt wurden: Falscher Amaryllis, Herbstzeitlose, Mistel,
Christuspalme. Das lockert das ganze etwas auf und hat mir sehr gut
gefallen.
Wer eine interessante Geschichte mit charakteristisch starken,
manchmal außergewöhnlichen Personen mag, die auch noch spannend und
leicht zu lesen ist, der ist hier genau richtig.

Wieners, Anette
Fuchskind

Ullstein, Berlin
ISBN 9783548612515

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© Gaby Hochrainer, München 2016