Britta Bolt: Das Büro der einsamen Toten

Pieter
Posthumus, 47, von seinen Freunden PP genannt, arbeitet bei der
Stadtverwaltung Amsterdam in der Abteilung für Bestattungen.
Zusammen mit seinen Kollegen Sulung und Maja widmet er sich speziell
den „einsamen“ Toten, die keine Angehörigen haben bzw. er
versucht, deren Angehörige ausfindig zu machen. Auch die Begräbnisse
versucht er einigermaßen würdevoll z.B. mit kleinen Gedichten zu
gestalten.


Von
Mittwoch, dem 11. Mai bis Mittwoch, den 15. Juni bin ich mit PP in
Amsterdam unterwegs. In dieser Zeit lerne ich besonders ihn und sein
Umfeld etwas näher kennen und bin ganz nahe dran an den
Ermittlungen, von denen er mit seiner Akribie nicht die Finger lassen
kann. 
Diesmal
beißt er sich an einem jungen Ausländer fest, der eine Djellaba
trägt und in einer Gracht ertrunken ist. Fremdverschulden wird
zunächst ausgeschlossen, woran PP aber nicht glaubt. Und er sollte
Recht haben… 
 
Die
Autoren nehmen mich mit in eine Stadt, die ich schon einmal
kennenlernen durfte. Daher kam es hier und da vor, dass ich eine
ungenaue Vorstellung hatte, wo die Geschichte gerade spielte. Der auf
den Innenseiten des Buches abgedruckte Stadtplan hat mir da sehr
weitergeholfen und ich war immer direkt am Geschehen dabei. Die Stadt
mit ihrem ganz eigenen Flair, mit ihren vielen Fahrradfahrern, den
wunderschönen alten Häusern, den Grachten, Brücken, den Menschen,
aber auch den weniger sehenswerten Teilen der Stadt bekomme ich in
diesem Buch sehr gut vermittelt. Ich kann mir vorstellen, dass man da
„Appetit“ bekommt, die Stadt einmal selbst zu besuchen.

Pieter
Posthumus ist mir von Anfang an sehr sympathisch. Mit seiner etwas
behäbigen, sich zeit lassenden Art kann ich ihn mir sehr gut
vorstellen. Aber auch die anderen Protagonisten kann ich mir recht
bald vor mein inneres Auge aufrufen. 
 
Die
Geschichte, in der es hauptsächlich um Emigranten aus Marokko und
terroristische Aspekte geht, bekomme ich aus zwei verschiedenen
Gesichtswinkeln zu sehen. Einerseits bin ich mit PP unterwegs,
andererseits ermittelt aber auch der Geheimschutz NASD. Hier sind es
besonders Onno Veldhuizen, der Chef, der nur auf seinen eigenen
Vorteil bedacht, und Lisette Lammers, die meine Sympathie auch
schnell gewinnen konnte. 
 
Obwohl
dieser Krimi nicht durch Rasantheit oder undurchsichtige Wendungen
besticht, sondern durch sehr genaue Recherchen des
Hauptprotagonisten, leise, hintergründige Töne und eine Geschichte,
die heute aktueller ist denn je, habe ich dieses Buch sehr gerne
gelesen und es bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.

Bolt, BrittaDas
Büro der einsamen Totent

Hoffmann und Campe, Hamburg
ISBN 9783455405286

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© Gaby Hochrainer, München 2016