In diesem Beitrag stelle ich euch »Die Hoffnung, die uns trägt« von Kerstin Lange, dem zweiten Band der Reihe „Portugiesische Schicksalsjahre“ vor.
»Die Hoffnung, die uns trägt« – alles, was bleibt
Die Geschichte »Die Hoffnung, die uns trägt« spielt im Lissabon der 1960er-Jahre, zur Zeit des autoritären Salazar-Regimes. Die Protagonistin Amália lebt mit Mutter, Vater und ihrem kleinen Bruder Pedro in einem sehr armen Viertel Lissabons. Als ihr kleiner Bruder stirbt, bricht für die junge Amália eine Welt zusammen: Ihr Vater verlässt die Familie über Nacht mit dem Notgroschen der Familie, während ihre Mutter krank und depressiv wird und wegen Suizidgefahr in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert wird. Erschreckend ist hier der Umstand, dass die Mutter von Freunden, Nachbarn und der Kirche fallengelassen wird, weil sie einen Suizid versucht hat.
Amália ist zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig und steht plötzlich völlig allein da – ohne Wohnung, ohne familiären Rückhalt. Sie muss sich selbst eine Unterkunft und Arbeit suchen und findet schließlich einen Job in einem Café, der ihr nicht nur ein Einkommen, sondern auch ein Gefühl von Zugehörigkeit gibt.
Dort lernt sie den charismatischen Studenten Marcelo kennen, der gemeinsam mit seinem Freund João, und wie sich herausgestellt hat Amalias Cousin, politisch aktiv im Widerstand gegen das Regime ist. Zwischen Amália und Marcelo entwickeln sich tiefe Gefühle, doch für ihn steht der politische Kampf an erster Stelle. Als das Regime die Studentenproteste brutal niederschlägt, entwickelt auch Amália eine wachsende Sehnsucht nach Freiheit – gleichzeitig wünscht sie sich aber vor allem ein ruhiges, normales Leben an Marcelos Seite.
Die zentrale Frage des Romans und somit der spannende Bogen ist, ob Amalias und Marcellos Liebe in dieser politisch aufgewühlten Zeit eine Chance hat.
Ein weiterer Schicksalsschlag trifft Amália, als ihre beste Freundin – Mutter dreier kleiner Kinder – bei einem Unfall mit einer Straßenbahn ums Leben kommt. Trotz allem verliert Amália nie ganz die Hoffnung: Gegen Ende der Geschichte stößt sie in einer Zeitung auf einen Spendenaufruf für ein Kinderheim, verbunden.
Die Hoffnung auf eine gemeinsame Familie
Der Roman verknüpft das individuelle Schicksal einer Familie mit den politischen Veränderungen in Portugal während der 1960er Jahre, insbesondere den Studentenprotesten gegen das Salazar-Regime. Kerstin Lange, die gründlich recherchiert hat, präsentiert Amália nicht als perfekte Heldin, sondern als junge Frau, die trotz Verlusten, Armut und persönlichen Rückschlägen stets wieder aufsteht – getragen von der Hoffnung, die den Titel des Werkes prägt.
Kerstin Lange schildert die bewegende und packende Lebensgeschichte eines jungen Mädchens, die den Leser fesselt. Die Protagonistin durchlebt zahlreiche Herausforderungen und positive Wendungen, wodurch das Interesse an der Geschichte konstant hoch bleibt. Man hofft stets, dass es dem Mädchen gut ergeht und sich alles zum Besten wendet. Aus jedem Rückschlag, den die junge Heldin des Romans erleidet, scheint sie letztlich gestärkt hervorzugehen, ihr Selbstbewusstsein wächst und sie beginnt, an sich selbst zu glauben. So freut sich der Leser immer wieder, wenn Amalia ein Stückchen Glück findet.
Obwohl es sich mit »Die Hoffnung, die uns trägt« nach »Die Sehnsucht, die bleibt« um den zweiten Roman der Reihe „Portugiesische Schicksalsjahre“ handelt, ist dieser Roman komplett eigenständig zu lesen und auch zu verstehen. Dennoch fand ich es besonders schön, dass es sozusagen einen Cross Over gibt. Die Figur des João existiert tatsächlich auch in dem vorangehenden Roman und wenn João seine Geschichte erzählt, werden die Erinnerungen an »Die Sehnsucht, die bleibt« wachgerufen. So gibt es trotz aller Düsternheit und Schicksale, die Amalia durchleben muss, am Ende einen Hoffnungsschimmer, der die Leser zufriedenstellen kann.
Kerstin Lange erzählt das Leben dieses Mädchens auf eine berührende, gefühlvolle und fesselnde Weise. Die Struktur der Geschichte sorgt dafür, dass es ein echter Pageturner ist, auch wenn es sich nicht um einen Thriller handelt. Die Charakterentwicklung von Amalia ist tiefgründig und lässt die Leser mit ihr fühlen. Ihre Kämpfe und Triumphe sind authentisch und regen zum Nachdenken an. Die Verbindungen zu anderen Figuren sind vielschichtig und tragen zur emotionalen Tiefe der Erzählung bei. Zudem sorgt der flüssige Schreibstil von Kerstin Lange dafür, dass die Seiten wie im Flug vergehen. Am Ende bleibt nicht nur das Gefühl von Traurigkeit, sondern auch ein starkes Bedürfnis nach Veränderung und Hoffnung.
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Kerstin Lange
Die Hoffnung, die uns trägt
Tinte & Feder
ISBN: 9782496719536
Rezension von:
© Detlef Knut, Düsseldorf 2026
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