KÜSTENWIND

„Küstenwind“ von Eva Lirot

In „Küstenwind“ verschwinden nach einem Klassentreffen im Gasthof „Doppeleiche“ in Burg auf der Insel Fehmarn drei der Teilnehmer spurlos. Florian Brandt, Bastian Kohl und Kirsten Schang sind wie vom Erdboden verschluckt. Hat der Weihnachtsengel, der auf dem Treffen auftaucht und kleine Schnapsflaschen verteilt etwas mit dem Verschwinden zu tun?

Ich bin begeistert von „Küstenwind“

Inselkommissarin Frieda Lieken muss ihre Gedanken, ob sie weiter auf Fehmarn bleibt oder zum Kommissariat nach Kiel wechselt erst mal auf Seite lassen. Dazu kommt noch die Sorge um ihre Großmutter, die mit einem Zusammenbruch ins Krankenhaus eingeliefert wird. Und um ihren Großvater, der im Rollstuhl sitzt und nun allein zuhause ist. Die Suche nach den Vermissten aber ist wichtiger. Als einer der beiden Männer mit zu viel Alkohol und Schlafmittel im Blut tot am Südstrand gefunden wird, ahnt Frieda, dass die Zeit drängt.

Schon der Prolog hat es in sich und ich frage mich, was die Frau, die sich hier in einer einsam gelegenen Hütte eingemietet hat, in ihrer Kindheit und Jugend hat erleiden müssen, dass sich ihr Schmerz so eingefressen hat. Autorin Eva Lirot lässt mich tief in deren Seele blicken und ich bin schockiert, was Kinder Kindern anzutun im Stande sind. Aber obwohl mir die Frau, die diese Traumata bis heute nicht überwunden hat und deren Gefühlswelt hier so greifbar ist, echt leid tut, kann ich ihr Handeln nicht gutheißen.

Frieda Lieken dagegen ist mir sofort sympathisch. Was bei den liebenswerten Großeltern auch kein Wunder ist. Endlich mal eine junge Kommissarin ohne große Macken oder Laster. Im Gegenteil. Ich finde es toll, dass sie ihre Großeltern in ihre berufliche Zukunft mit einbezieht. Was ja absolut nicht für jeden normal ist.

Inklusive Friedrich Nietzsche

„Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens“ von Friedrich Nietzsche ist einer der Sprüche, die die Autorin gekonnt und passend vor einigen Kapiteln platziert hat und die mir sehr gut gefallen.

Der leicht zu lesende Erzählstil der Autorin zieht mich schnell hinein in die idyllische Welt auf der Ostseeinsel Fehmarn. Alles ist sehr plastisch und gut vorstellbar beschrieben, so dass ich mein Kopfkino mit den Bildern sehr gut füttern konnte.

Auch die Menschen, die ich hier kennenlerne, haben ihren Charme und ihren eigenen Charakter (oder auch nicht) und ich kann sie mir gut vorstellen. Ich bin entsetzt von den Vorgängen in der Hütte und weiß nicht, mit wem ich mehr Mitleid haben soll. Dabei ist hier eigentlich jeder Täter und auch jeder Opfer. Um das zu verstehen, müsst ihr dieses Buch unbedingt lesen.

Eva Lirot hat hier einen nicht nur spannenden, interessanten und unterhaltsamen Fall kreiert, der nachdenklich macht. Wenn man sich so an den Schulen umhört, ist das Thema des Krimis auch heute sehr aktuell und verdient absolute Beachtung.

„Küstenwind“ ist nach „Küstenlicht“ der zweite Krimi mit der äußerst sympathischen Inselkommissarin, von der ich sehr gerne noch mehr lesen würde. Und bei diesem Buch lohnt sich auch absolut ein Blick auf das sehr persönliche Nachwort.

Eva Lirot
Küstenwind
Selfpublishing
ISBN 9788358112490

Rezension von
© Gaby Hochrainer, München 2022
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