„Ziemlich hitzige Zeiten“ von Angelika Schwarzhuber

Ziemlich hitzige Zeiten

Es sind ziemlich hitzige Zeiten, erkennt nach einigem hin und her auch Anna Reiter, die stramm auf die 50 zu geht. Seit der Scheidung von ihrem Harald vor mehr als 7 Jahren stemmt sie ihr Leben zwischen Beruf, Haushalt, ihren beiden Töchtern Leonie und Emma und ihrer Mutter Mina, die mit im Haus lebt, allein und ohne Männerbekanntschaften. Dazu kommen jetzt gerade noch die Hochzeitsvorbereitungen für Leonies großen Tag mit ihrem Timo und Emmas Abiabschluss. Außerdem hat Emma gerade den Führerschein bestanden und Anna „darf“ bei ihr im Auto den Beifahrer spielen, was ihr außer den Hitzewellen, die sich immer wieder aufdrängen, weiter Schweißperlen auf die Stirn treibt. Dazu kommt, dass Mama Mina immer tüdeliger wird. Ist das der Anfang einer Demenz? Und Jo Ranke, ihre erste große Liebe, der im Amerika als Filmmusikkomponist die große Karriere gemacht hat, ist zurück im schönen Prien am herrlichen Chiemsee…

Das Leben hält immer noch Überraschungen bereit

Angelika Schwarzhuber hat mit Anna Reiter, ihrer Familie, ihren Freundinnen und Bekannten, bis auf eine, so liebenswerte Figuren erschaffen, mit denen ich mich sofort angefreundet habe. Klar, alle haben ihre kleinen oder großen Macken und ihre ein oder andere charakterliche Eigenschaft, die ich nicht so mag. Aber im großen und Ganzen kann ich da sehr gut drüber hinweg schauen, weil alle im Grunde einfach so sympathisch sind. Der „Gurkenmann“ – ich verrate nicht, was es mit dem auf sich hat – ist z.B. jemand, mit dem ich nicht allzu viel zu tun haben möchte.

Ziemlich hitzige Zeiten
Ziemlich hitzige Zeiten

Die Geschichte an sich ist eine locker-leichte Familien- und eine kleine Liebesgeschichte. Es werden, während die Tage am Chiemsee dahin laufen, viele Themen angesprochen, bei denen es sich lohnt, sie auch nach der Lektüre mal näher zu beleuchten. So scheint Mama Mina eine beginnende Demenz zu haben, die durch zu wenig Trinken hervorgerufen wurde. Den Grund warum es Paul und seine Tochter Jana aus München an den Chiemsee verschlagen hat, finde ich so krass und erbärmlich, werde aber auch darüber nichts verraten. Außerdem geht es um schwule Jungs, den Altersunterschied zwischen Männern und Frauen und um Freundschaft.

Immer wieder habe ich lachen oder grinsen müssen, was einer gewissen Situationskomik geschuldet ist, die die Autorin sehr locker rüber bringt. Aber es gibt auch durchaus Themen, die nachdenklich machen und mich dazu bringen mal wieder über das Leben im allgemeinen nachzudenken. Und es gibt viele Stellen im Buch, die ich dank meines vorgeschrittenen Alters so gut nachvollziehen kann, weil ich sie auch schon durchlebt oder mitgemacht haben.

Wunderschöne Beschreibungen der Landschaft rund um den Chiemsee

Bei den wunderschönen Beschreibungen der Landschaft rund um den Chiemsee kommt bei mir sofort der Wunsch auf, raus aus der Stadt, rein in der wunderschönen Chiemgau. Da ich die Gegend dort ein bisserl kenne, hat sich mein Kopfkino bei den Ansichten schier überschlagen. Bei den köstlichen Leckereien, die Ilona in ihrem Delikatessenladen anbietet, läuft mir das Wasser im Mund zusammen und ich bekomme Appetit.

Ein tolles Buch mit liebenswerten Protagonisten und einer Geschichte wie aus dem richtigen Leben. Ich habe mich für diese Lesestunden am Chiemsee richtig wohl gefühlt.

Angelika Schwarzhuber
Ziemlich hitzige Zeiten
Blanvalet, München
ISBN 9783734107153

© Gaby Hochrainer, München 2020
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