Erin Kelly – Vier.Zwei.Eins

Nichts ist wie es scheint

1999 – Es ist Sommer in Cornwall und beim Festival am Lizard Point treffen sich tausende Menschen um bei der Sonnenfinsternis dabei zu sein. So auch Kit und Laura. Als die beiden anschließend zu ihrem Zelt zurück gehen, ist sich Laura sicher, eine Vergewaltigung gesehen zu haben. Im Prozess beteuert der Angeklagte, Jamie, die Tat immer wieder; das Opfer, Elisabeth „Beth“ Taylor, schweigt. Jamie bekommt 5 Jahre Haft. Monate später steht Beth vor Lauras und Kits Tür und schleicht sich im Laufe der Zeit still und heimlich in ihr Leben. Nur Kit scheint zu ahnen, dass Beth eine Bedrohung für sie Beide darstellt …

So, wie mich das Cover angezogen hat, zieht mich auch die Geschichte, zuerst ganz langsam, dann immer schneller total in sich hinein. Es ist mir teilweise sehr schwer gefallen, das Buch mal zur Seite zu legen. 5 Phasen, wie bei einer totalen Sonnenfinsternis mit 66 Kapiteln, die mit dem jeweils Erzählenden und einer Zeitangabe versehen sind, lassen sich leicht und flüssig lesen.

Laura und Kit erzählen die Geschichte aus ihrer Sicht. 1999 in der Vergangsheitsform, 2015 lässt mich die Autorin in der Gegenwart in ihren Gedanken dabei sein. Obwohl die Zeiten und auch die erzählenden Protagonisten immer wieder wechseln, ließ die Spannung nicht nach. Ich hatte sogar das Gefühl, dass gerade die Rückblicke die Spannung noch erhöhen. Alles fügt sich ganz gemächlich zu einem runden Ganzen zusammen. Anfangs war mir die Geschichte zu seicht, zu langsam. Aber im Laufe des Lesens habe ich gemerkt, dass genau das die Spannung ab der ersten Seite ebenfalls stetig steigert. Auch brauche ich die vielen kleinen Belanglosigkeiten, die der Text versteckt, um, wie ich meine, hinter die Fassade der Protagonisten zu schauen. Denn Vieles ist Lüge, vieles ist verwirrend, nichts ist wie es scheint.

Mag auch der Beginn der Geschichte noch so dahin tröpfeln. Je weiter ich hinein kam, desto spannender und abwechslungsreicher wurde es. Hatte ich gerade gemeint, alles hinterblickt zu haben, tut sich eine neue Wendung auf. Wer ist Opfer, wer ist Täter? Diese Frage habe ich mir immer wieder mal gestellt. Beantwortet wird sie erst ganz zum Schluss. Und vor allem dieses Ende, mit dem ich so absolut nicht gerechnet habe, hat es in sich und mich etwas schockiert.

Die Protagonisten sind so facettenreich und gut vorstellbar skizziert, dass ich schnell ein vorstellbares Bild von ihnen hatte. Laura und Kit, Beth und Jamie – richtige Sympathie hat sich nicht eingestellt. Nur die schwangere Laura hat sich ein kleines Stückerl meines Herzens ergaunert.

Ein tolles Buch, bei dem man sich am Anfang etwas Zeit für die Entwicklung geben muss. Das aber dann so richtig in Fahrt kommt und für spannende, abwechslungsreiche Unterhaltung sorgt. Ich jedenfalls bin absolut begeistert!

Erin Kelly
Vier.Zwei.Eins

S. Fischer Verlag, Frankfurt /M.
ISBN 9783651025714

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© Gaby Hochrainer, München 2018