»Moornacht« eröffnet die stimmungsvolle North York Moor-Serie von Ian Bray, dem Pseudonym des Mönchengladbacher Schriftstellers Arnold Küsters. Dieser Kriminalroman, der unverkennbar im britischen Stil gehalten ist, entführt die Leser in das ruhige englische Küstenstädtchen Whitby.
Moornacht: Mysteriöser Mordfall in Whitby
In der frostigen Umarmung des Winters findet sich das charmante Städtchen Whitby wieder, als DCI Bolton, kurz vor dem großen Ruhestand, zu einem unliebsamen Einsatz gerufen wird. Inmitten einer moorigen Nacht entdeckt man im dichten Nebel die verbrannte Leiche eines Herrn, der offenbar tiefer im Glücksspiel und im schillernden Rotlichtmilieu steckte, als es ihm lieb gewesen wäre.
Zur gleichen Zeit taucht seine neue Kollegin, die etwas andere Samantha Fox, auf – ausgestattet mit ihren unkonventionellen Ansätzen und einem feinen Gespür für geheime Verbindungen. Als eine Dame ins Spiel kommt und behauptet, ihr Freund sei vor Jahren genau an diesem Ort das Zeitliche gesegnet, beginnt Fox, heimlich ihre eigenen Nachforschungen anzustellen. Dabei entfaltet sich ein Netz aus Lügen und düsteren Geheimnissen, das selbst in der finstersten Moornacht nicht zur Ruhe kommt. Denn eines ist für das kleine Whitby klar: jeder weiß etwas weiß, aber niemand will etwas sagen.
Spannung in den Ermittlungen und den Figuren
Obwohl der Autor aus Deutschland stammt, hat er sehr viel Lokalkolorit mit Pub-Besuchen und Folkmusik in diesen Krimi hineingelegt, was ihn zu einer sehr unterhaltsamen und interessanten Lektüre macht. Bislang war Ian Bray mit seinen Cornwall-Krimis bekannt, nun hat er sich auf eine nördliche Region, Yorkshire, zubewegt, und bringt den Lesern auch diesse Gefilde nahe. Damit folgt er durchaus den humorvoll angelegten Krimis der Dales Tetectives von Julia Chapman oder auch den Thrillern von M.W. Craven.
Besonderen Spaß macht das Verhältnis der beiden Protagonisten. Detective Chief Inpector George Bolton, der kurz vor seinem Ruhestand nach einem Ersatz ausschaut und sowieso mehr Personal in seinem CID benötigt, auf der einen Seite. Und dann die ihm zugeteilte Detective Sergeant Samantha Fox, die aus Scarborough hierher versetzt wurde. Fox ist Punkerin und spielt in ihrer Freizeit Schlagzeug. Feste Regeln sind keinesfalls ihr Ding, weshalb sie auch ihren vorherigen Arbeitsplatz verlassen musste, obwohl sie sehr erfolgreiche Ermittlungsarbeit geleistet hat.
Der Konflikt zwischen Bolton und Fox ist vorgegeben und wird in der Folge der Ermittlungen ein höchstbekömmliches und spannendes Amüsement. Die Schranken, die der DCI manifestieren will, scheinen keine Wirkungh beim DS zu erzielen. Und dennoch kann auch Bolton sie nicht in allem verurteilen. Diese Konflikt und das Voranschreiten der Beziehung von Chef und neuer Mitarbeiterin lässt so manches Mal den Kriminalfall in Vergessenheit geraten.
Der allerdings ist ebenso mit sehr vielen Wendungen und Überraschungen gespickt, so dass es kaum Sinn macht, zwischendurch mitzurätseln, denn meist kommt es doch anders als gedacht.
»Moornacht« von Ian Bray ist ein fesselnder Krimi, der nicht nur die Krimifans begeistert. Das Ermittlerpärchen bringt frischen Wind in die Ermittlungen und sorgt für die nötige Prise Humor. Besonders amüsant ist DS Waters, ein Sukkulenten-Sammler, der mehr über Pflanzen weiß als über die menschliche Natur. Private Konflikte zwischen den Hauptfiguren machen die Geschichte lebendiger und fesselnder.
Die Vielzahl an Verdächtigen hält die Leser auf Trab, während das Lokalkolorit und das Pub-Leben für eine authentische Atmosphäre sorgen. Man kann förmlich den Geruch von frisch gezapftem Bier und die Geschichten der Stammgäste riechen. „Moornacht“ ist nicht nur ein Krimi, sondern eine unterhaltsame Reise durch eine skurrile Welt voller Charaktere und Geheimnisse. Empfehlenswert für alle, die einen spannenden Abend mit einem Lächeln verbringen möchten!
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Ian Bray
Moornacht
Penguin
ISBN: 9783328112419
Rezension von:
© Detlef Knut, Düsseldorf 2026
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