Der Kriminalroman »What About The Bodies« von Ken Jaworoski war für mich der absolute Überraschungs-Hammer. Er hat mich überrascht in Sachen Spannung, in Sachen Humor und in Sachen Aufbau der Geschichte. Doch zunächst alles der Reihe nach. Eine einfache Kurzbeschreibung lässt sich gar nicht geben. Ich versuche es troitzdem ohne zu spoilern.
»What About The Bodies«: Die Geheimnisse von Locksburg warten!
Es gibt drei Protagonisten: Carla, Reed und Liz. Alle leben in dem kleinen Örtchen Locksburg, Pennsylvania. Hier gab es einst viel Kohlebergbau, doch mittlerweile sind fast alle Wohnungen leer, die Einwohnerzal nur noch ein Drittel wie damals. Offenbar ein verschlafenes Städchen inmitten der USA.
Carla ist die Mutter von Billy, der mittlerweile am MIT in Computerwissenschaften studiert. Billy stottert. Je stressiger es für ihn wird, umso mehr stottert er. Und es ist stressig für ihn, denn auf seinem Heimatbesuch drängt es ihn, seiner Mutter zu beichten, dass er vor einem Jahr eine weibliche Leiche im Garten vergraben hat.
Reed hingegen ist Autist. Er nimmt alles wörtlich. Meist zu wörtlich. Gerade ist seine Mutter verstorben. Es war ein Unfall. Sein Bruder Greg kümmert sich um diie Beisetzung. Ihm hat Reed aufgetragen, eine selbstgenähte Puppe bei der Mutter mit in den Sarg legen zu lassen. Als Reed in der dritten Klasse war, hatte er sie genäht und der Mutter geschenkt. Die war damals sehr erfreut darüber und wollte die Puppe immer bei sich haben. Reed sollte darauf aufpassen, dass ihr die Puppe nicht abhanden kam. Er hatte es ihr versprochen. Doch sein Bruder Greg sah keinen Sinn darin, die Puppe in den Sarg legen zu lassen. Also musste sich Reed darum kümmern, sein Versprechen der Mutter gegenüber einzuhalten.
„Du willst mit mir in meinem Haus leben“, sagte Greg. Es war keine Frage. Ich antwortete trotzdem.
Reed im Gespräch mit seinem Bruder Greg -. »What About The Bodies«
„Ja.“
„Und du willst dich um meinen fünfjährigen Sohn kümmern.“
„Ja.“
„Reed. Dir ist schon bewusst, dass du vor ein paar Tagen unsere Mutter umgebracht hast?“
Ich sagte nichts.
Liz ist Mitte Zwanzig und hat nur eines im Sinn: Country- und Folkstar in Nashville zu werden. In verschiedenen Orten hat sie schon gejobt und sich von einem zum nächsten schlecht oder gar nicht bezahlten Gig durchgehangelt. Bestimmt hat sie schon mehr als zwanzig Tapes an Produzenten in Nashville geschickt, aber nie etwas savon gehört. Seit einiger Zeit ist wieder in Locksburg. Da erhält sie den einen Anruf aus Nashville, der ihr ganzes Leben verändern soll. Sie soll in vierzehn Tagen einen Auftritt und Probeaufnahmen in einem Studio haben.
„Tut mir leid, wie war ihr Name?“
LIz erhält einen Anruf – »What About The Bodies«
„Belle Chapman. Wie geht es Ihnen?“
Ich riss mir das Handy vom Ohr, um blitzschnell einen Blick auf die Ortsvorwahl zu erhaschen: 615. Nashville. Ich hielt es mir wieder ans Ohr.
„Mir, äh, Sie wissen ja … und so … ich meine, gut. Und so. Gut.“
„Gut“, sagte sie.
„Ja, mir geht es wirklich … gut.“
„Das ist gut.“
Mysteriöse Protagonisten in Locksburg
Mehr kann nicht zum Inhalt von »What About The Bodies« gesagt werden, ohne zu spoilern. Ich hoffe, diese kurzen Zitate voller Humor wecken Euern Appetit, denn dieser Roman hat es verdient.
Die drei Geschichten werden jeweils aus der Ich-Perspektive der Hauptfiguren präsentiert. Die Kapitel sind kurz, und die Reihenfolge folgt einem klaren Muster: Carla – Ree – Liz – Carla – Ree – Liz und so weiter. Da die Geschichten anfangs stark variieren, benötigt man eine Weile, um dieses Muster zu erfassen und sich bei den Kapitelwechseln mental auf die jeweilige Erzählung umzustellen. Keine Sorge: Einfach weitermachen. Das klappt schon.
Erst nach der ersten Hälfte des Romans zeigen sich Hinweise darauf, dass die drei Erzählstränge miteinander verbunden sind. Ein und derselbe Polizist erscheint unerwartet auch in einer der anderen Geschichten. Doch bis zu diesem Punkt gab es bereits zahlreiche Gelegenheiten zum herzlichen Lachen. Ein einfaches Schmunzeln genügte mir nicht mehr. Die Dialoge und Situationen sind so amüsant beschrieben, dass man einfach nicht widerstehen kann.
Ken Jaworoski ist es in »What About The Bodies« gelungen, die Figuren auf faszinierende Weise zu gestalten. Die kleinen Eigenheiten von Billy und Reed bieten ihm zahlreiche Möglichkeiten und Freiräume. Besonders beeindruckend ist, wie authentisch die Figuren wirken. Ihre Entwicklungen sind nachvollziehbar und fesseln die Leser bis zur letzten Seite. Die Verbindung der Erzählstränge entfaltet sich geschickt und hält die Spannung bis zum Schluss. Jaworoski versteht es meisterhaft, Humor und Drama miteinander zu verweben, sodass »What About The Bodies« nie an Intensität verliert.
Die Spannung für die Leser resultiert aus dem Geschehen in den einzelnen Geschichten. Schnell ist man auf der Seite dieser Protagonisten und bedauert ihr Leben. Keiner lebt auf großem Fuß, sie haben Probleme noch und nöcher und man wünscht ihnen nur, dass alles gut ausgehen wird. Und natürlich wartet man bereits in der ersten Hälfte darauf, dass die Stränge zusammenlaufen. Damit kann man den Roman nicht einfach loslassen.
Wird das alles gut enden? Überzeugt euch selbst von »What About The Bodies« und lasst euch überraschen. Ein echtes Highlight in diesem Jahr!
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Ken Jaworoski
What About The Bodies
Aus dem Englischen von Lea Dunkel
Pendragon, Bielefeld
ISBN: 9783865329264
Rezension von:
© Detlef Knut, Düsseldorf 2026
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