Was wir bereit zu geben sind

«Was wir bereit zu geben sind» von Katharina Glück

Katharina Glück entwirft in «Was wir bereit zu geben sind» eine Welt, in der das Leben selbst zur knappen Ressource geworden ist. Auf den ersten Blick wirkt alles geordnet: soziale Sicherheit, medizinische Versorgung, moderne Wohnungen, nachhaltige Mobilität. Doch dieses Gleichgewicht hat einen hohen Preis – ein neues Leben darf nur entstehen, wenn ein anderes dafür geht.

Diese Grundidee bleibt im Kopf. Sie wirft Fragen auf, die über die Handlung hinausgehen: Wie weit darf eine Gesellschaft gehen, um Stabilität zu sichern? Wann wird Fürsorge zu Kontrolle? Und was geschieht mit Menschen, die in diesem System keine „richtige“ Entscheidung treffen können oder wollen? Die von Glück entworfene Welt ist nicht spektakulär überzeichnet – sie wirkt leise, fast vernünftig. Genau das macht sie so verstörend.

Was wir bereit zu geben sind: Ein Blick

Im Zentrum des Romans «Was wir bereit zu geben sind» steht Emma, die ein gutes Leben führt , verheiratet mit Amal der Schwester der Schwester des bekannten Moderators Mo Ahmadi führt, der in einem Fernsehinterview gerade sein 7. Kind und die Spenderin des Anteilschein vorstellt, durch den er erst ein weiteres Kind bekommen darf,denn es gilt: Nur wenn ein Mensch stirb darf ein neuer geborenen und die Regeln dafür sind klar geordnet. Nach der Ausstrahlung taucht Emmas Kindheitsfreundin Nora , die illegal schwanger ist, auf und fordert Hilfe von Nora. Damit  beginnt für Emma eine Phase des Zweifelns: Ihre Überzeugungen, Beziehungen und ihr Verständnis von Verantwortung geraten ins Wanken. Ihre Entwicklung ist nachvollziehbar – sie handelt zunächst eher aus Schuldgefühl als aus Überzeugung.

Nora war mir von Anfang an unsympathisch. Ihre Haltung, ständig Forderungen zu stellen, ohne selbst Verantwortung zu übernehmen, erschwerte es mir, Mitgefühl für sie zu entwickeln. Sie erwartet Hilfe, schiebt die Schuld für ihre Situation auf andere und bleibt dabei erstaunlich passiv. Trotz ihrer schwierigen Lage konnte ich keinen Zugang zu ihr finden. Gerade diese Distanz hat meine Wahrnehmung von Emma noch einmal geschärft – eine Figur, die trotz aller Zweifel bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und für Nora Risiken einzugehen.

Emma hilft Nora, ins Alte Land zu fliehen – einen Ort, an dem andere Regeln gelten.

Bemerkenswert ist die differenzierte Darstellung der beiden Welten: Auf der einen Seite ein kontrolliertes, wohlhabendes Land, das Sicherheit bietet – solange man sich an die Regeln hält. Illegale Schwangerschaften werden jedoch streng verfolgt. Auf der anderen Seite das „Alte Land“, das mehr Freiheit, aber auch Unsicherheit und Mangel mit sich bringt. Glück verzichtet auf eindeutige Urteile. Es gibt kein „richtiges“ System, keine einfache Lösung. Das lässt Raum für eigene Überlegungen – über Werte, Kompromisse und den Preis von Sicherheit.

Fazit

«Was wir bereit zu geben sind» ist kein lauter Roman, aber einer, der nachwirkt. Er stellt unbequeme Fragen und verzichtet auf einfache Antworten. Wer sich auf diese Geschichte einlässt, findet eine ruhig erzählte Dystopie, die zum Nachdenken anregt – unaufdringlich, aber eindringlich.

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Katharina Glück
Was wir bereit zu geben sind
Amrun Verlag
ISBN: 9783958695436

© Manuela HahnLesenswertes aus dem Bücherhaus, 2025

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