Der historische Roman „Tage des Wandels“ ist der zweite Teil der „Hof Kalmule“-Reihe von Ulrike Renk. Er erzählt die weiteren Ereignisse zum ersten Band „Am Fluss der Zeiten“ bildet. Somit spielt er erneut im Münsterland, allerdings etwa dreißig Jahre später in den Jahren zwischen 1585 und 1627.
»Tage des Wandels« – bewegende Zeiten zwischen Krieg und Frieden
Die Gegenreformation, die eine Reaktion auf die Thesen von Martin Luther war, sowie der Krieg zwischen den Niederlanden und Spanien sind in vollem Gange. Seit 1568 findet der Achtzigjährige Krieg zwischen den Niederlanden und Spanien statt, während dessen Truppen und Söldner wiederholt ins Münsterland marschieren, plündern und verwüsten.
Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Adam und Eva als Kinder von Hans und Immeke, die 1585 auf dem Kalmule-Hof zur Welt kamen. Trotz seiner Position als zweitgeborener Zwilling ist Adam aufgrund seines Geburtsrechts ein freier Mann, während Eva als Eigenbehörige aufwächst. Zunächst ist dies unbedeutend, da mit einem älteren Bruder bereits ein Erbe für den Hof festgelegt ist. Doch als der Krieg ins Münsterland vordringt und Opfer fordert, wird Eva plötzlich zur Erbin des Hofes.
Um Adam die Möglichkeit zur Hofnachfolge zu geben, entscheidet der Vater, dass die Geschwister ihre Rollen tauschen: Adam wird als Eigenbehöriger der Erbe des väterlichen Hofes und ist somit vom Kriegsdienst befreit, während Eva in die Freiheit entlassen wird. Da Adam zunächst Schwierigkeiten hat, sich gegenüber den anderen Hofbewohnern (Verwandte und deren Ehefrauen) durchzusetzen und für seine Schwester einzutreten, vermittelt Evas Patin sie als Haushälterin an eine kleine Pfarrei in Seppenrade. Nach einem Wechsel des Pfarrers begegnet sie dem neuen Geistlichen als gleichwertige Partnerin und entwickelt Gefühle für ihn – aus dem einstigen „Opfer“ wird eine selbstbewusste junge Frau, die für ihre Liebe kämpft.
Ein junges Mädchen auf dem Weg zu einer starken Frau
Ulrike Renk verwebt in »Tage des Wandels« erneut private Schicksale mit Zeitgeschichte. Sie schildert das Leben der Menschen sowohl auf dem Land als auch in der Stadt, dazu den wachsenden Einfluss der Religion und den Wandel des kirchlichen Lebens. Eingeflochten wird neben der sich immer stärker wehrenden katholischen Kirche gegen von Luther verbreiteten Glauben die zeitgleich stattfindende Hexenverfolgung.
Sehr sachlich geht die Autorin auf Folterungen, sowie Armut, Seuchen und ständige Angst vor Unwetter und marodierende Söldnerbanden ein und erzeugt Bilder in den Köpfen der Leser. Damit macht die das damalige Leben für die Leser greifbar greifbar, ohne dabei den Blick für Zusammenhalt und Hoffnung zu verlieren. In manchen Passagen war mir diese sehr umfangreiche Detailliertheit zu viel, denn außer dem Wunsch zu erfahren, wie es den handelnden Figuren, allen voran Eva, geht, wurde kein weiteres dramaturgisches Element in die Handlung eingebracht.
Außerdem fand ich das Personenverzeichnis und den Glossar am Ende des Buches, den man gut zum zwischendurch nachlesen aber auch zum Abschluss des Romans zum Revuepassieren nutzen kann.
»Tage des Wandels« empfehle ich gerne als unterhaltendes Geschichtsbuch, welches tief in das Leben der damaligen Menschen blicken lässt. Zumindest gibt es ein Gefühl davon.
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Ulrike Renk
Tage des Wandels
Lübbe
ISBN 9783757701857
Rezension von:
© Detlef Knut, Düsseldorf 2026
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