Eine Zelle für Clete

»Eine Zelle für Clete« von James Lee Burke

»Eine Zelle für Clete« von James Lee Burke ist dieser Tage in einer deutschen Übersetzung bei Pendragon erschienen. Ich will ja nicht viel vorwegnehmen, aber es ist erneut ein ganz anderer Dave-Robicheaux-Krimi.

Dave Robicheaux und sein Freund Clete Purcel sind immer dafür gut, alles Negative und Schlechte heranzuziehen. Das ist in diesem Roman nicht anders. Besonders Clete zieht die Probleme an. Eigentlich will er den Tod von mehreren Mädchen aufklären, aber muss er denn gleich einen Zuhälter krankenhausreif prügeln, der kurze Zeit später auch noch tot aufgefunden wird?

Clete steht wieder mal mit einem Bein im Knast. Dabei hat er es nur gut gemeint.

Eine Zelle für Clete

„Manchmal ist es im Privatleben wie im Beruf notwendig, sich bei Leuten einzuschmeicheln, die einen nicht koscher sind. Das Schlimmste daran ist nicht, dass es nicht ganz ehrlich gemeint ist, sondern dass der Betreffende einen als Gleichgesinnten und Freund betrachten könnte. Dann bescheicht einen die Angst, dass man diesen Leuten ähnlicher ist, als man sich eingestehen will. Ich redete mir ein, dass ich das irgendwann nicht mehr nötig haben würde. Hoffte ich wenigstens.“

Dave Robicheaux von James Lee Burke in der Übersetzung von Norbert Jakober

Doch warum bin ich der Meinung, an dass dies ein ganz anderer Dave-Robicheaux-Krimi ist? Der Protagonist dieser Reihe ist milder. Dave ist trockener Alkoholiker und hält sich an die Spielregeln. Er kämpft zwar mit seinen Dämonen, aber er hat keinen Absturz oder Rückfall, womit er sich selbst in Gefahr begibt, irgendein Verbrechen zu begehen. Deshalb ist er in diesem Roman eher ein Ruhepol, der versucht, seinen Freund Clete aus dem Dreck zu holen. Er ist nicht mehr der wilde Haudrauf, wie in anderen Romanen zuvor.

Aber auch andere Figuren haben deutlich an Profil gewonnen. So auch die Ähnlichkeit von Robicheauxs Tochter Alafair mit der gleichnamigen Tochter Alafair des Schriftstellers. Die Lebensläufe beider Frauen weisen doch eine gewisse Ähnlichkeit auf. Doch auch über die Chefin im Sheriffbüro erfahren wir mehr. Es ist immer wieder schön, das Universum der Reihe mitzuerleben.

Zusätzlich beschreibt James Lee Burke viele geschichtlichen Ereignisse aus dem Süden der USA, die Entwicklung der Sklaverei und den heutigen Umgang mit den farbigen Bürgern. Aber auch Episoden aus Vietnam und das, was Robicheaux daraus gelernt hat, werden anschaulich und vor allem plausibel dargestellt.

Die Romane von James Lee Burke sind immer wieder eine Empfehlung wert. Auch der hier besprochene macht da keine Ausnahme.

James Lee Burke
Eine Zelle für Clete
Aus dem Amerikanischen von Norbert Jakober
Pendragon, Bielefeld
ISBN 9783865327529

Rezension von:
© Detlef Knut, Düsseldorf 2022
Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
Bücher, die gefallen

Kommentar verfassen