»Der Bojenmann« von Kester Schlenz und Jan Jepsen ist ein durchweg überzeugender Kriminalroman aus Hamburg, der den typischen Charme der Stadt einfängt. Dies ist der Auftakt einer Krimiserie, die sich um Kommissar Thies Knudsen und den Hamburger Hafen dreht.
»Der Bojenmann« – Erstaunliche Kreativität eines Serienmörders
In Övelgönne thront der hölzerne „Bojenmann“ auf einer Tonne im ruhigen Flusswasser. Doch eines Morgens ist er verschwunden; stattdessen liegt dort eine gruselige Leiche, die dem Bojenmann zum Verwechseln ähnlich sieht. Diese Leiche wurde kunstvoll präpariert und ist so bearbeitet, dass sie auf der Tonne stehen kann. Bevor die Ermittler die Spur dieses ersten Opfers aufnehmen können, macht eine weitere schockierende Entdeckung in der Alster die Runde: Ein weiteres plastiniertes Opfer wird gefunden. Rasch wird klar, dass ein Serienkiller in Hamburg sein Unwesen treibt, und dass die Stadt sich auf weitere schockierende, inszenierte Opfer gefasst machen muss.
Thies Knudsen ist der Leiter der Ermittlungen beim LKA in Altona. An seiner Seite stehen die resolute Dörte Eichhorn und die Forensikerin „Spusi Diercks. Doch wenn er einmal nicht weiterkommt, wendet er sich an seinen alten Freund Oke „La Lotse Andersen. Dieser ehemalige Kapitän und Lotse lebt in Övelgönne an der Elbe, kennt den Hafen wie seine Westentasche, ist belesen (daher sein Spitzname an Laotse erinnernd) und hat einen scharfen Verstand. Mit ihm findet Knudsen zum stets den richtigen Kurs.
Spannung mit viel Hamburg
Die spannende Geschichte entfaltet sich in der faszinierenden Welt der Seefahrt. Im Mittelpunkt steht der Hamburger Hafen, ein Symbol für die Globalisierung der Schifffahrt und die Herausforderungen, mit denen moderne Seeleute konfrontiert sind, sowie die Entwicklungen in der Containerwirtschaft. Die Charaktere äußern zudem ihre Bedenken über die Auswirkungen der Umweltverschmutzung und den Kapitalismus. Dabei fließt reichlich Hamburger Lokalkolorit ein. Wer in meine Biografie schaut, wird wird erfahren, warum mir ein solcher Roman gefallen muss.
Laut einer Beschreibung strebten die Autoren danach, fesselnde Handlungslinien, Humor, menschliche Beziehungen und eine dichte Atmosphäre miteinander zu verweben. Dabei fließt reichlich Hamburger Lokalkolorit ein.
Ähnliche Täter, die sich als Künstler sehen, kennt man auch aus anderen Thrillern, wie z.B. Chris Carters „Totenkünstler„.
»Der Bojenmann« entführt den Leser in die düstere, aber faszinierende Welt eines makaber veranlagten Serienmörders, der in Hamburg sein Unwesen treibt. Die fesselnden Handlungslinien sind durchzogen von nordischem Humor, der trotz der düsteren Thematik immer wieder ein Schmunzeln hervorruft. Die komplexen menschlichen Beziehungen und die aktuellen Themen aus Wirtschaft und Gesellschaft verleihen der Geschichte eine bemerkenswerte Tiefe.
Die dichte Atmosphäre lässt alles miteinander verwoben erscheinen, während der Hamburger Lokalkolorit lebendig wird und die Stadt als eigenständigen Charakter zum Leben erweckt. Diese spannende Unterhaltung ist nicht nur für Krimifans ein Muss, sondern für jeden, der in eine packende Erzählung eintauchen möchte. »Der Bojenmann« ist ein grundsolider sehr guter Kriminalroman, der lange nach dem letzten Satz im Gedächtnis bleibt.
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Kester Schlenz/ Jan Jepsen
Der Bojenmann
btb, München
ISBN 9783442770885
Rezension von:
© Detlef Knut, Düsseldorf 2026
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