Der Kriminalroman »Widmung« von Benoît Villaret ist bereits der zweite Band um den Ermittler Mathieu Vasseur, der im zauberhaften Paris angesiedelt ist und eine wunderbare Blick auf die Szenerie der Bouquiniste wirft.
Inhaltsverzeichnis
Zum Inhalt von »Widmung«
In einer Nacht im August wird ein betagter Bouquiniste aus der Seine gezogen. Henri Fauvel hat vierzig Jahre lang an derselben Stelle am Quai gestanden; seine Kiste wurde durchsucht, die Bücher sind auf den ersten Blick alle nach wie vor vorhanden. Ein Überfall, bei dem nichts entwendet wurde – zumindest nichts, was ein Dieb begehren könnte.
Capitaine Camille Roussin von der Brigade Criminelle sucht den Rat von Mathieu Vasseur, dem Antiquar aus der Rue Vieille-du-Temple. Die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit aus einem früheren Fälschungsfall, und Vasseur besitzt eine besondere Fähigkeit, die in den Ermittlungsunterlagen nicht vermerkt ist: Er kann den Ursprung eines Buches erkennen und beurteilen, ob eine Handschrift authentisch ist. Aspekte wie Tinte, Schreibstil und der Punkt, an dem ein Schreiber seine Feder absetzt, spielen dabei eine Rolle.
Die Ermittlungen führen ihn an einen Ort, den er stets vermeiden wollte – zu Fernand Reverdin, seinem ehemaligen Mentor, der ihm das Handwerk beigebracht hat. Vor drei Dekaden verwandelte eine einzige handschriftliche Widmung eines alten Drucks sich in ein Vermögen, und Reverdin’s Expertise verwandelte das Falsche in das Wahre. Vasseur hatte damals bereits einen Verdacht, wollte jedoch nicht hinschauen.
Der Mord bringt die alte Angelegenheit wieder ans Licht. Je näher Vasseur der Sache kommt, desto klarer wird, dass der Fälscher von einst noch immer aktiv ist. Der Fall erfordert zwei Antworten: Wer hat den ehemaligen Bouquinisten ermordet und wer hat vor dreißig Jahren die Fälschung beglaubigt? Letztere Frage lässt Vasseur nicht los.
Die Figuren in »Widmung«
Mathieu Vasseur, 54 Jahre alt, führt die Librairie du Temps Perdu, ein Antiquariat in der Rue Vieille-du-Temple im Pariser Marais. Sein Geschäft befindet sich zwischen einer Fotogalerie und einem Falafel-Stand. Er arbeitet nicht mit einem Dienstausweis, sondern nutzt eine Handlupe, einen Fadenzähler und blickt auf drei Jahrzehnte Erfahrung mit alten Buchbindungen: Er analysiert die Bücher. Ordnung existiert nur in seinem Kopf – was für seine Aushilfe chaotisch erscheint, ist für ihn sorgfältig kuratiert. Er trägt fast immer denselben Cordanzug, geht zu Fuß durch sein Viertel und besitzt lediglich einen dunklen Anzug, den er zweimal jährlich benötigt. Er sucht keine Fälle; diese finden ihren Weg in seinen Laden, meist in Form eines Buches, das dort nicht erwartet wird.
Camille Roussin, Anfang vierzig und Capitaine bei der Brigade Criminelle, hat fast immer einen Becher Automatenkaffee in der Hand, wenn sie im Dienst ist. Sie ist pragmatisch, skeptisch und hat wenig Verständnis für literarische Abschweifungen, es sei denn, sie erweisen sich als hilfreich. Zu Hause erwarten sie ihr Mann, ein Lehrer mit einem geregelten Stundenplan, und eine Tochter in der Pubertät, die zunehmend enttäuscht ist, wenn der Dienst ihre Mutter erneut in Anspruch nimmt.
Der 24-jährige Geschichtsstudent Théo Lacombe aus Bobigny arbeitet als Aushilfe in einem Antiquariat. Er steht in starkem Kontrast zu Vasseur: Während der Antiquar in Katalogen nach Informationen sucht, findet Théo diese in digitalen Datenbanken – und umgekehrt. Dennoch fertigt er seine eigenen Notizen nach wie vor mit einem Kugelschreiber auf Papier an.
Henri Fauvel, ungefähr achtzig Jahre alt, war ein Bouquiniste am Quai de Gesvres und hatte seit vielen Jahren an derselben Stelle gestanden. Er ist das erste Opfer, mit dem der Fall seinen Anfang nimmt – zunächst für die Ermittler lediglich ein alter Buchhändler am Ufer des Flusses.
Fernand Reverdin war der Chef von Vasseur, dem Buchhändler, bei dem Vasseur über einen Zeitraum von zehn Jahren seine Ausbildung erhielt. Reverdin war ein geschätzter Experte für alte Manuskripte und ist inzwischen verstorben. Sein Name ist auf einem Gutachten vermerkt, das seit dreißig Jahren nicht in Frage gestellt wurde.
Der Autor von »Widmung«: Benoît Villaret
Benoît Villaret ist ein Künstlername. Seine Kriminalromane zeichnen sich durch eine Vorliebe für Recherche anstelle von Schießereien aus. Die Hauptfigur, Mathieu Vasseur, ist Antiquar im Pariser Stadtteil Marais – ein Ermittler, der nicht aktiv nach Fällen sucht, sondern zufällig auf sie trifft.
Jeder Titel der Serie um Mathieu Vasseur bezieht sich auf einen spezifischen Fachbegriff aus der Buchkunst. »Provenienz« untersucht die Herkunft eines Buches, während »Widmung« die Echtheit in Frage stellt. Jedes dieser Begriffe birgt die Chance, zu täuschen oder getäuscht zu werden, und Villaret ergründet, welches Verbrechen dadurch begünstigt wird. Sein Interesse gilt den Objekten, die länger existieren als ihre Eigentümer, sowie der Frage, was Menschen bereit sind zu ignorieren, um diese Objekte zu bewahren.
Für die »Widmung« hat sich Benoît Villaret intensiv mit dem Buchdruck der Renaissance in Lyon beschäftigt, Auktionskatalogen und der Problematik auseinandergesetzt, wie ein Experte gefälschte Widmungen identifizieren kann. Man kann den Pfaden folgen, die Mathieu Vasseur durch den Marais nimmt; die Straßen, Märkte und Ufer sind vorhanden.
Produktinformationen »Widmung«
Herausgeber : tredition
Erscheinungstermin : 1. September 2026
Auflage : 1.
Sprache : Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe : 388 Seiten
ISBN-10 : 3384982045
ISBN-13 : 9783384982049
Abmessungen: 4,8 x 21,0 cm
Artikel von:
© Detlef Knut, Düsseldorf 2026
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