Der Roman »Ein Samstag im August« von Birgit Bachmann beschreibt das Schicksal einer Familie, deren stabil geglaubte Struktur innerhalb weniger Tage zerbricht. Im Zentrum steht die Familie Wortmann, die in einer norddeutschen Kleinstadt lebt und vor allem durch die vier Frauen Sigrid, Elvira, Mona und Kathi geprägt ist. Die Handlung verwebt verschiedene Lebensgeschichten zu einem komplexen Familienepos.
»Ein Samstag im August« – eine ganz normale Familie
An einem Samstag im August geht es für Elvira und ihren Mann Jobst zurück von ihrem Urlaub. An einer Raststätte entlang der Autobahn begegnen sie einem jungen Paar, dessen Wagen defekt ist. Obwohl Elvira anfangs Zweifel hat, beschließt Jobst kurzerhand, den beiden zu helfen und sie mitzunehmen. Was als einfache Hilfsaktion beginnt, entwickelt sich bald zu einem unerwarteten Familiendrama und stellt schließlich auch ihre eigene Ehe auf die Probe.
Währenddessen wird innerhalb der Familie Wortmann eine bedeutende Wahrheit aufgedeckt: Die älteste Frau hat viele Jahre ein Geheimnis bewahrt. In ihrer frühen Ehe hatte sie eine Affäre mit einem anderen Mann, aus der ebenfalls ein Kind entstanden ist. Diese Offenbarung zwingt die Frauen dazu, ihre eigene Herkunft und die Familiengeschichte neu zu bewerten. Die Betroffenen müssen nun ihre Erinnerungen und die Beziehungen untereinander überdenken.
Im Zuge des familiären Durcheinanders verliert die Schwiegertochter ihren Job und gleichzeitig ihre Geduld mit ihrer Schwiegerfamilie. Auch sie sieht sich dadurch wachsenden Herausforderungen gegenüber. Die Schwierigkeiten der Familie Wortmann sind also nicht nur auf ein einzelnes Geheimnis beschränkt. Jede Frau befindet sich an einem entscheidenden Punkt in ihrem Leben und ist gezwungen, sich mit den Erwartungen auseinanderzusetzen, die von anderen an sie herangetragen werden.
Die Frauen der Familie Wortmann
Die Kapitel konzentrieren sich abwechselnd auf die einzelnen Mitglieder der Familie, wobei der Name der jeweiligen Figur als Überschrift dient und einen Hinweis darauf gibt. Birgit Bachmann nutzt eine multiperspektivische Erzählweise, wodurch verschiedene Familienmitglieder zu Wort kommen. Dies ermöglicht den Lesern, einer klaren Linie zu folgen. Zu Beginn des Romans gibt es jedoch eine Vielzahl von Figuren, deren Beziehungen zueinander nicht so klar sind, wie man erwarten könnte. Mit jedem weiteren Kapitel wird das Verständnis darüber, wer die Enkelin, die Tochter oder die Schwiegertochter von wem ist, allmählich deutlicher.
»Ein Samstag im August« thematisiert in erster Linie die Aspekte von Familie, Erinnerungen und die Bedeutung verdrängter Wahrheiten. Die Autorin zeigt, dass familiäre Bindungen sowohl Geborgenheit als auch eine gewisse Last mit sich bringen können. Eine Familie kann Trost spenden, aber auch verletzen. Der Roman bietet zahlreiche Szenen und Gedanken, sodass jeder Leser etwas Wiedererkennbares aus seiner eigenen Familie finden kann. Nur durch das Aussprechen der Wahrheit erhalten die Protagonisten die Chance, ihre Beziehungen neu zu definieren und nach vorn zu blicken.
Am Ende möchte der Leser erfahren, wie das Schicksal der verschiedenen Charaktere verläuft. Dabei gibt es sogar die ein oder andere unerwartete Wendung. Für diejenigen, die nicht nur Krimis, sondern auch moderne, dramatische Familiengeschichten schätzen, ist dieser Roman unbedingt lesenswert.
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Birgit Bachmann
Ein Samstag im August
btb Verlag, München
ISBN 9783442763641
Rezension von:
© Detlef Knut, Düsseldorf 2026
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