»Der Galgenvogel« als Kriminalroman zu bezeichnen, wäre nicht das richtige Wort. Er ist eher ein Ganovenroman. Denn im Mittelpunkt steht
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»Der Galgenvogel« als Kriminalroman zu bezeichnen, wäre nicht das richtige Wort. Er ist eher ein Ganovenroman. Denn im Mittelpunkt steht
Dieser Roman ist das krasse Gegenteil zu den unzähligen Tatort-Filmen, die allzu sanft daherkommen, in denen die Polizei alle Gesetze einhält und die Täter in Watte packt, lieber die eigene Waffe auf den Boden legt, wenn eine auf sie gerichtet wird. Dabei hat es solche Typen wie Dave Robicheaux, einen Protagonisten des amerikanischen Schriftstellers James Lee Burke, auch schon im deutschen Fernsehen gegeben. Beide Male unter anderem gespielt von Jörg Schüttauf: als Thomas Becker in „Der Fahnder“ sowie als Fritz Dellwo im Tatort aus Frankfurt mit Andrea Sawatzki
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© Detlef Knut, Düsseldorf 2016
Bei der Überquerung einer Straße inmitten Düsseldorfs wird ein Mann von einem Auto überfahren. Schwer verletzt kommt er ins Krankenhaus. Ungefähr zur selben Zeit wird die Leiche einer Frau am Rande des Schwanenspiegels im Zentrum der Stadt gefunden. Die Ermittler Lydia Louis und Christopher Salomon werden beauftragt. Weil die Tote offenbar erwürgt worden ist, gehen sie zunächst dem gerücht aus der Prostituiertenszene nach, nach welchem ein „Würger“ sein Unwesen treiben soll. Wegen des zerschundenen Gesichts der Frau ist eine erste, schnelle Identifikation schwierig. Die Polizei geht bei dem Opfer von einer Prostituierten aus. Während der Unfall des Mannes eigentlich keine Rolle für das KK11 spielt, wird alles anders, nachdem sich herausstellt, dass der Verunfallte möglicherweise die Tote kennt. Doch wie passt das zum „Würger“?
Sabine Klewe hat einen packenden Kriminalroman geschrieben. Er ist in ihrer Heimatstadt Düsseldorf verortet und lässt den Düsseldorfer lesern die zurückgelegten Strecken „mitfahren“. Vom Verlag wurde dieser Roman zwar als Thriller tituliert, was er m. E. nach nicht ist. Trotz aller Rasanz, dem hohen Tempo in Handlung und Spannung und den zahlreichen Konflikten, die die Autorin für den spannungsliebenden Leser bereithält. Immer wieder führen die gedanklichen Spekulationen der Leser in eine Sackgasse. Dafür verantwortlich ist dieses enorme Konfliktpotential, mit dem die Autorin die Beziehungn der handelnden Figuren ewürzt hat: karriegeile Kollegen, schleimende Vorgesetzte, Kollegen mit privaten Problemen, ungeklärte Freundschaften. Alles das befördert die Schnelligkeit des Lesens, denn einmal angepackt, wird der Roman kaum aus der Hand gelegt.
Nachteilig, jedoch nicht zum Punktabzug führend, fand ich die Unsitte, dass sich die Kollegen alle mit nachnamen ohne Anrede ansprechen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie erlebt, dass sich die Menschen ausschließlich mit ihrem Nachnamen anreden. Dies ist ein Unsitte aus den Tatort-Verfilmungen, die jeglicher Realität widerspricht. Aber der Spannung schadet das keinesfalls. Sicher sind nicht alle Leser so sensibel wie ich. Deshalb also: Daumen hoch für diesen packenden Krimi!
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© Detlef Knut, Düsseldorf 2016
In dem Thriller »Wolfsspinne« hat Melli Franck, die Wirtin des „Greens“ finanzielle Probleme. Irgendwer in ihrem Laden scheint sie zu
Mitten in der Nacht wird Maria Grappa telefonisch von ihrer Lieblingsbäckerin Frau Schmitz aus dem Bett geworfen. Sie hat eine
Die im Swasiland geborene Autorin Malla Nunn führt den Leser in das Südafrika von 1952. Zu dieser Zeit greifen gerade die Rassengesetze und die Weißen dürfen keinen Kontakt zu den Nicht-Weißen haben. Der weiße englische Polizist Cooper wird von Johannisburg in einen kleinen Ort an der mosambikanischen Grenze geschickt, um nachzuschauen, was dort passiert sein könnte. Ein Telefonanruf zuvor hatte nicht gerade viel Informationen gebracht. Cooper trifft dort auf die Leiche des weißen Polizisten Pretorius, der bäuchlings im Wasser liegt. Schnell wird klar, dass es sich um einen Mord handelt. Von seinem Vorgesetzten wird Cooper beauftragt, den Mord aufzuklären. Doch dafür bleibt ihm nicht viel Zeit. Während er sich noch den Überblick über die Situation und die Afrikaander-Familie Pretorius verschafft, von denen er bereits drei Söhne des ermordeten „Dorfsheriffs“ am Fundort der Leiche getroffen hatte und die ihm schnell einen Verdächtigen liefern, treffen zwei Bedienstete der Security Branch, der Staatssicherheit des Apartheitregimes, im Ort ein und übernehmen ganz offiziell die Ermittlungen. Cooper wird auf das Abstellgleis geschoben. Der jedoch lässt sich nicht ins Bockshorn jagen und ermittelt heimlich weiter, weil er vermutet, dass hier ein Mord vertuscht oder zumindest den Kommunisten in die Schuhe geschoben werden soll. Das Oberhaupt der Burenfamilie wäre ein willkommenes Opfer für die Politik des Apartheitregimes. Um ihn weiterhin kalt zu stellen, wird auch Cooper Zielscheibe der Geheimpolizei, trotzdem gelingt es ihm immer wieder, ihnen zu entgehen und heimlich weiter zu machen. Dabei erfährt er, dass der Chef der hiesigen Polizei, Captain Pretorius, gar keine so weiße Weste hat, wie allgemein angenommen und von seiner Familie behauptet wird. Als echter Bure war Pretorius mit dem schwarzen Stammespolizisten Shabalala zusammen aufgewachsen und stand den dunkelhäutigen Frauen nicht so ablehnend gegenüber, wie die Gesetze es von ihm als weißen Südafrikaner und als Polizist erwarteten. Nicht zuletzt, weil Cooper auch fähig ist, sich mit den Leuten auf Zulu zu unterhalten, hat er sehr gute Chancen, mehr über die Hintergründe des Mordes in Erfahrung zu bringen.
Malla Nunn, die auch als Filmemacherin schon internationale Auszeichnungen erhielt, hat mit ihrer Familie viele Jahre in diesem Südafrika gelebt und greift in ihrer spannenden Geschichte auf Erfahrungen und Erlebnisse ihrer Familie zurück, denn ihre Eltern haben sich etwa zu dem Zeitpunkt der Romanhandlung dort kennengelernt. In einer bildreichen Sprache führt sie in die Landschaft und das Umfeld der Handlung ein. Aussagekräftige und zutreffende Vergleiche und Metaphern erleichtern dem Leser das Eintauchen in diese Landstriche. Dabei werden die Charaktere so lebendig, als würden sie neben einem stehen.
Schnell wird klar, dass der Autorin nicht nur daran gelegen ist, einen spannenden Kriminalroman vorzulegen, sondern dass sie gewillt ist, die Menschen über die Taten und die Gesellschaft einer Zeit aufzuklären, die stets in Erinnerung bleiben sollte, damit sie sich nicht noch einmal wiederholen kann. Schon frühzeitig lässt sie in den Gesprächen und Gedanken von Cooper, und nicht zuletzt mit seiner Fähigkeit Zulu zu sprechen, durchblicken, dass er nicht immer mit dem herrschenden System einverstanden ist. Dass er sich wohl aber darin arrangiert hat, um unbehelligt leben zu können. Dadurch wird die Ermittlung nicht nur ein Kampf um die Aufklärung des Mordes sondern auch ein Kampf gegen die Rassengesetze und die Meinung einiger im System etablierter Nutznießer. Malla Nunn führt damit in eine Gesellschaft ein, die vielen Menschen gerade in Europa verborgen blieb. Sie zeigt in diesem Buch, dass es nicht nur schwarz/weiß, sondern in den unterschiedlichsten Varianten Grautöne gab. Sie informiert über die Bevölkerungsgruppen, die damals das Bild der südafrikanischen Gesellschaft ausmachten: den aus Europa eingereisten Weißen, den in Afrika geborenen Weißen, der Afrikaans spricht, den aus Asien eingereisten Farbigen, den in Afrika geborenen Farbigen und den in Afrika geborenen Schwarzen. So vielschichtig die Einwohner waren, so vielschichtig waren auch die Meinungen von ihnen gegenüber der Apartheit.
Das Buch fasziniert zunächst durch seine bildreiche Sprache und führt den Interessenten an einen Ort, der von Krimiautoren noch nicht so häufig als Ort von Verbrechen auserkoren worden ist, obwohl dort bereits kaum zählbare Verbrechen stattgefunden haben. Es fasziniert dann durch die detailreiche und akribische Beschreibung der Gesellschaft und den Umgang der unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten untereinander im Südafrika der 1950er Jahre. Schließlich fasziniert es durch die Spannung der kriminalistischen Handlung, die den Leser mitfiebern lässt und ihn bis zum Schluss über den wahren Täter und die wahren Zusammenhänge des Mordes im Ungewissen hält.
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Malla Nunn
Ein schöner Ort zu sterben
Kriminalroman, aus dem Englischen von: Armin Gontermann
Rütten und Loening, Berlin
ISBN: 978-3-352-00771-2
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© Detlef Knut, Düsseldorf 2009-2016
Dave Robicheaux, Lieutenant im Ersten Revier des New Orleans Police Departments, wird zu einem zum Tode Verurteilten ins Gefängnis gerufen.
In »Der nützliche Freund« wird der bereits aus den vorhergehenden Kriminalromanen des ehemaligen Tagesthemen-Moderators Ulrich Wickert bekannte Pariser Richter Jacques
Mit dem Roman bringt Regine Kölpin die Leser in das Ostfriesland des 16. Jahrhunderts. Ein Jahrhundert, das geprägt war vom Kampf der Religionen. Die Reformer bekamen immer mehr Zuspruch, doch die Katholiken versuchten mit allen Mitteln, ihre Machtpositionen auszubauen und zu halten. Am Rande dessen entstanden neue und besondere Religionsgemeinschaften, die ihren eigenen Weg gehen wollten. In Ostfriesland fanden sie Ländereien und Wohlgesinnte, die ihnen ein Leben in ihrem Glauben und Frieden versprachen. Ostfriesland war Zufluchtsort vieler Glaubensflüchtlinge besonders aus Holland.
Der Roman zeigt aber, dass es nicht immer ruhig zuging in diesen Gemeinschaften. Als Hiske Aalken, die in Jever als Hexe vor dem Tribunal stand und in letzter Minute fliehen konnte, in der „Herrlichkeit Gödens“ ankommt, ist gerade ein Mord geschehen. Das Opfer war ein Anführer einer Gruppe von Täufern. Sofort wird klar, dass es um Macht innerhalb der Gemeinschaft geht, und dass Hiske für so manchen eine willkommene Täterin wäre. Aber auch der große Junge, von der Erscheinung her beinahe ein Erwachsener, aber nach Alter ein Kind, wird als Täter ins Spiel gebracht. Nur mit Mühe und dank der Menschen, die erkennen, dass Hiskes Kenntnisse als Hebamme und Heilerin unverzichtbar für die Gemeinschaft sind, kann sich Hiske den Anschuldigungen erwehren. Bis schließlich ein weiterer Mord geschieht …
Kölpin hat in diesem Roman eine bedrückende Atmosphäre um eine Religionsgemeinschaft aufgebaut und bringt das Geschehen der damaligen Zustände in einer spannenden Geschichte näher. Schnell erkennt nicht nur die Protagonistin, sondern auch der Leser, dass eine Gemeinschaft so gut wie jede andere ist, wenn es um die Macht und den Anspruch der Führung darinnen geht. Nach umfangreicher Recherche hat die Autorin mit viel Akribie die Zustände beschrieben und reale Personen mit fiktiven Figuren in eine Handlung verstrickt, bei der man auf das Ende hin miträtselt und darauf neugierig bleibt. Doch als Erzählung angelegt, bleiben viele Aktionen, Handlungen und Dialoge etwas auf der Strecke. Ich hätte mir etwas mehr Lebhaftigkeit gewünscht. Der Spannung haben diese erzählenden Strecken allerdings nicht geschadet.
Der erste Band gibt der Trilogie um die Hebamme Hiske Aalken einen angemessenen Auftakt und erhält eine unbedingte Leseempfehlung. (Zur Info: Band 2 „Der Meerkristall“, Band 3 „Das Signum der Täufer“)
| Kölpin, Regine Die Lebenspflückerin KBV-Verlag, Hillesheim ISBN 9783942446396 |
© Detlef Knut, Düsseldorf 2016
Am Flaucher, einem Isarabschnitt in München, wird eine junge Frau erstochen aufgefunden. Ihre Hände sind am Kopf angenagelt. Die Verteidigung
Kurzgeschichten? Ja .. oder nein? Ein Roman? Ja … oder nein?„Am Ende die Nacht“ verbindet Kurzgeschichten zu einem Roman. Eine
Niederbroich ist ein typisches Dorf am Niederrhein, in dem die Kirche den Dorf- und Lebensmittelpunkt bildet. Hier saust die Küsterin Kati Küppers mit ihrem apfelsinenfarbenen Hollandrad zwischen Kirche und Kapelle am Ortsrand hin und her, sorgt für frische Blumen und gebügelte Messgewänder, legt für die Jugend gelegentlich Jimi Hendrix im Pfarrzentrum auf und setzt sich… Mehr lesen …