Antonia Hodgson: Der Galgenvogel

Diesen Roman als Kriminalroman zu bezeichnen, wäre nicht das richtige Wort. Er ist eher ein Ganovenroman. Denn im Mittelpunkt steht Tom Hawkins, ein Mann, der in den Tag hineinlebt, nichts Richtiges mit sich anzufangen weiß und das Geld seiner Freundin verprasst. Denn Kitty hat eine große Erbschaft gemacht und ist Inhaberin einer kleinen, verruchten Buchhandlung, die unterm Ladentisch pornographische Bücher vertreibt und regelmäßig von den Sittenwächtern kontrolliert wird.
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Iny Lorentz: Das Mädchen aus Apulien

Pandolfina hat nun auch ihren Vater, den Grafen Guthier de Montcœur, verloren. Voller Trauer sitzt die vierzehnjährige am Sterbebett ihres Vaters und hält die Totenwache. Ihre Mutter, eine christliche Sarazenin, war bereits vor Jahren verstorben. Es braucht keine vierundzwanzig Stunden, da steht der Nachbar, Baron Silvio di Cudi, mit einem großen Trupp Söldnern vor dem Tor. Er behauptet, im Namen des Papstes, die Tochter des Grafen ehelichen und deren Erbe verwalten zu wollen. Doch seine Berufung auf den Papst ist nur vordergründig. Tatsächlich geht es ihm und um die Ländereien und somit um die Steuereinnahmen aus ihnen. Denn zur Grafschaft gehören gut zwanzig Dörfer. Außerdem ist die Burg des Grafen viel ansehnlicher als seine eigene, die an einen Wachturm erinnert.
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Nele Neuhaus: Im Wald

Mit einer besonderen Spannung wartet der neue Kriminalroman von Nele Neuhaus auf. Bevor die eigentliche Handlung beginnt, gibt es zwei Abschnitte, die auf den ersten Blick nichts mit dem aktuellen Kriminalfall zu tun haben. Dabei ist der Prolog offensichtlich, nicht nur durch die mitgelieferte Datumsangabe, eine Rückblende auf ein Ereignis von mehr als vierzig Jahren. Der erste Abschnitt des ersten Kapitels lässt den Leser an dem Brand eines Wohnwagens auf einem Campingplatz teilhaben. Die gerne von Alkohol beseelte Felicitas Molis schaut mit Schrecken und Fernglas auf das lodernde Feuer.
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Rosamunde Pilcher: Wechselspiel der Liebe

http://amzn.to/2czLXBsFlora lebt mit ihrem Vater in Cornwall. Sie ist 22 Jahre alt und möchte nun zu neuen Ufern aufbrechen: in London nach einer Wohnung und einem Job suchen. Für die Wohnungssuche kann sie zunächst bei einer Freundin unterkommen. Doch bevor es dazu kommt, erhält sie die schlechte Nachricht, dass aus der Unterkunft nichts wird, weil die andere Bewohnerin nun doch nicht verreist und somit kein Platz mehr ist. Flora sucht sich ein einfaches Hotel, stellt dort den Koffer an der Rezeption ab und schaut sich nach einem Restaurant fürs Abendessen um. Sie wird überaus freundlich vom Kellner hofiert. Doch ihre Verwunderung dauert nicht lange. Eine junge Frau in ihrem Alter betritt das Restaurant. Der Kellner schaut verblüfft von dem einen Gast zum anderen und zurück.
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Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre – Ein deutsches Märchen oder der Roman der Bundesrepublik Deutschland!

Mit den Stichwoten “der große Roman der Bundesrepublik Deutschland” schickt sich Peter Pranges neuer Roman tatsächlich an, ein Roman von umwerfender Bedeutung zu werden. Es ist ein Roman des geteilten und wiedervereinten Deutschlands. Was eignet sich besser dafür, als die Geschichte ehemals beider deutscher Staaten anhand einer Familie und ihrer Mitglieder zu schildern.
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Kate Pepper: 48 Stunden

Susan lebt mit ihrem Freund Dave in New York. Dave ist Polizist, Detective, der im Schichtdienst arbeitet. Vor einem Jahr ist Lisa bei ihnen eingezogen. Lisa ist die fünfzehn Jahre jüngere Schwester von Susan. Sie ist selbst noch Teenager und möchte in New York auf eine Musikschule gehen. Deshalb schien es allen hilfreich, wenn sie die Eltern in Texas verließ und sich an das Leben in NY gewöhnte. Fürsorglich kümmern sich Susan und Dave um Lisa. Auch Dave kommt gut mit dem Mädchen klar, wie sie auch umgekehrt mit ihm. Doch da kommt Lisa auf die Idee, nach ihren leiblichen Eltern zu suchen. Sie weiß, dass ihre Eltern in Texas sie adoptiert haben. Aber sie besteht darauf, dass ihre Adoptiveltern immer ihre “richtigen” Eltern sind und auch bleiben werden. Doch sie spürt einen Drang, etwas über ihre Herkunft zu erfahren. Einfach zu wissen, wer ihre leiblichen Eltern sind, ist ihr Ziel. Und ob sie so sind, wie sie sie sich immer vorgestellt hat. Doch als Susan mit Lisa eines späten Abends über die Adoption sprechen will, kommt es zu einem Streit. Lisa verlässt die Wohnung … und kehrt nicht mehr zurück.

Parallel zu dieser Geschichteerfährt der Leser, dass es einen Menschen gibt, der andere Menschen beobachtet, der etwas mit den anderen Menschen vorhat. Und der Leser erfährt von dem vermissten Mädchen, welches seit einem Jahr verschwunden ist und bei dem Dave erfolglos ermittelt hatte.

Pepper bringt den Leser mit diesem Roman in ein Setting, welches den Kultserien “Law & Order” und “Blue Blood” ähnelt. Die Handlung spielt größtenteils in Brooklyn und ermittelt wird von Detectives verschiedener Reviere. Spannung ist eine der wesentlichen Prämissen. Obwohl in einigen Abschnitten durch den Kopf des Täters das Geschehen verfolgt wird, bleibt dieser bis zum Ende eine Überraschung. So manches Mal möchte man sich festlegen, sollte es aber tunlichst vermeiden. Die gesamte Handlung spielt sich innerhalb von 48 Stunden ab. Da läuft vieles parallel. Als Leser wird man deshalb häufig von einem Ort zum anderen “gebeamt”, kapitelweise, was auf ganz natürliche Weise das Tempo des Romans erheblich erhöht.

Aufregender Lesestoff bei der Suche nach einem vermissten Teenager mit sympathischen Figuren.

Kate Pepper
48 Stunden
Rowohlt Verlag, Hamburg
ISBN 9783499244308

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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Guido Dieckmann: Die Heilerinnen von Aragón

Die beiden Cousinen Floreta und Celiana sind Jüdinnen und leben in Granada. Fester Bestandteil ihrer Familie ist ihr gemeinsamer Großvater Samu, ein hoch angesehener Heiler am Hofe Muhammads. Doch der Herrscher lebt gefährlich. Seine Macht wird ihm streitig gemacht. Ein Putsch seiner Neider sorgt dafür, dass Muhammad flieht. Geholfen hat ihm dabei Celiana, seine Geliebte, die ihm für die Flucht ihre Kleidung gab. Doch der neue Herrscher in Granada vernichtet alle Menschen, die seinem Widersacher nahestanden. Dazu gehört auch Samu und dessen Familie. Der Arzt wird getötet, seine beiden Enkelinnen auf dem Sklavenmarkt verkauft. Doch zuvor hat er Floreta seinen Medizinkoffer anvertraut, im Vertrauen darauf, dass sie eine besondere Obacht auf ihn walten lässt und mit dem Inhalt umzugehen versteht.

Der Roman wurde in drei Zeitabschnitten angelegt, in dem jeweils etwas Gravierendes in der Handlung passiert. Im ersten Teil die oben genannte Versklavung der beiden Protagonistinnen, ähnlich eines etwas längeren Prologes. Im zweiten Teil erlebt der Leser die beiden einer Zwischenstation. Den umfassendsten Teil nimmt der dritte Teil ein, der teils am Hofe des Königs von Aragón, teils im Judenviertel von Zaragoza, der Judería, spielt.

Wie auch bei den Romanen von Lea Korte („Die Maurin” und „Das Geheimnis der Maurin“) lernt der Leser ein Mittelalter kennen, welches exotisch und orientalisch ist und den Zauber von 1001er Nacht versprüht. Man erfährt von dem friedlichen Zusammenleben der Menschen unterschiedlichen Glaubens. Auf der iberischen Halbinsel gab es viele Jahrhunderte das gemeinsame Leben von Juden, Muslimen und Christen. Doch das Streben nach Macht, besonders in der Katholischen Kirche, hatte für einen Zusammenbruch dieses friedlichen Zusammenlebens geführt.

Dieckmann bringt den Leser ganz sanft in einer spannenden und unterhaltenden Art viele Zusammenhänge der damaligen Zeit nah. Einem Abenteuer gleich verfolgt man das Geschehen um die beiden Cousinen, die dabei immer mehr zu Freundinnen werden. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, natürlich zu einem Zeitpunkt, an dem man als Leser gar nicht damit gerechnet hat. Einiges wird danach neu gewürfelt und fordert zum erneuten Arrangieren auf.

Orientalisch spannend! Exotisch unterhaltsam! Lesemuss, Lesegenuss!

Dieckmann, Guido
Die Heilerinnen von Aragón

rowohlt, Hamburg
ISBN 9783499271755

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2016
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Mary Higgins Clark: Und morgen in das kühle Grab

http://amzn.to/2bHnnNV

Nicholas Spencer, der charismatische Geschäftsführer einer medizinischen Forschungsfirma, verschwindet spurlos. Ist er wirklich ein betrüger, der die Flucht ergriff, kurz bevor sich herausstellte, dass der entwickelte Impfstoff gegen Krebs völlig wertlos war? Oder ist er vielleicht der Held, dem sein Forschungsergebnis abgejagt werden soll und der von den anderen hereingelegt wurde?
Die Journalistin Carley DeCarlo soll einen Artikel über Spencer schreiben  und beginnt zu recherchieren. Doch mit dem, was sie entdeckt, bringt sie sich selbst in höchste Lebensgefahr.

Der vorliegende Roman ist erneut ein packender Psychothriller, der den Leser zwar miträtseln lässt über das, was geschehen sein könnte. Aber er führt den Leser auch auf so viele verschiedene Fährten und zu Spekulationen, so dass der Leser stets damit rechnen muss, dass es auf der nächsten Seite alles anders kommt.
Geschickt arbeitet Mary Higgins Clark mit verschiedenen Perspektiven. Ein Erfolgsrezept, welches diese Autorin in vielen Ihrer Romane eingesetzt und zur Perfektion ausgereizt hat. Das Erleben der Protagonistin DeCarlo erzählt diese selbst aus ihrer Perspektive, hingegen werden alle anderen Situationen, in denen sie nicht selbst agiert, von einem Erzähler in der dritten Person dargestellt.Dadurch fühlt sich der Leser ganz nah bei der Hauptfigur, schaut dieser über die Schulter. Andererseits bekommt er durch den zweiten Erzähler das Gefühl, dass ihm die Strippen nicht aus der Hand gleiten können, denn er erfährt ja auch alles, was sonst noch passiert. Er weiß damit scheinbar mehr als die Journalistin DeCarlo.

Spannung um ein korruptes Wirtschaftssystem, welches nicht unbeachtet werden sollte.

Clark, Mary Higgins
Und morgen in das kühle Grab

Heyne Verlag, München
ISBN

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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Gregor Weber: Asphaltseele

Dieser Roman ist das krasse Gegenteil zu den unzähligen Tatort-Filmen, die allzu sanft daherkommen, in denen die Polizei alle Gesetze einhält und die Täter in Watte packt, lieber die eigene Waffe auf den Boden legt, wenn eine auf sie gerichtet wird. Dabei hat es solche Typen wie Dave Robicheaux, einen Protagonisten des amerikanischen Schriftstellers James Lee Burke, auch schon im deutschen Fernsehen gegeben. Beide Male unter anderem gespielt von Jörg Schüttauf: als Thomas Becker in „Der Fahnder“ sowie als Fritz Dellwo im Tatort aus Frankfurt mit Andrea Sawatzki

Doch worum geht es? Ruben Rubeck ist Ex-Soldat, war viele Jahre im Kosovo und anschließend zur Polizei gegangen. Er ist alleinlebend in der Frankfurter City, die auch rund um den Hauptbahnhof sein Arbeitsplatz ist. „Ich hab’s einfach gerne nah zur Arbeit.” Außerdem ist er Alkoholiker, Sex und etwas Geselligkeit kauft er sich bei Ina, einer Prostituierten. Die Abende verbringt er meist in einer Kneipe um die Ecke. Als er diese eines Tages verlässt, gerät er in eine Schießerei. Entgegen der Dienstanweisung, Waffen in der Freizeit nicht bei sich zu tragen, hatte er seinen SIG im Holster, rettet einem jungen Pärchen das Leben, erschießt einen der Ganoven und verletzt einen zweiten schwer. Alles in allem kommt er gut aus dieser Sache heraus. Wie sich herausstellt, handelte es sich wohl um eine Schießerei zwischen zwei rivalisierenden osteuropäischen Banden, Rubeck ist für kurze Zeit der Held. Dann tritt ein Mitarbeiter des LKA auf dem Plan. Er will Rubeck anheuern, den Mann, den dieser angeschossen hat und der noch im Krankenhaus liegt, undercover dingfest zu machen. Es handelt sich um eine Milieugröße aus Hamburg. Rubeck kämpft mit sich, weil er sich nicht gerne von einem anderen etwas sagen lässt. Aber dann nimmt das Unheil seinen Lauf.
Gregor Weber hat bestimmt viele Vorlagen aus Romanen und Filmen in seinem Kopf gehabt, die zu solch einem heruntergekommenen und dennoch sympathischen Protagonisten führten. Aber er hat vor allem den Mut gehabt, einen solchen Plot in Deutschland anzusiedeln. Mir hatte ein befreundeter Schriftsteller mal gesagt: Man müsste in Amerika leben, da könnte man Ballerszenen schreiben, Hubschrauber abschießen und dergleichen. Das ist in Deutschland alles gar nicht machbar, weil es unglaubwürdig wäre.” Weber zeigt, dass es doch geht. Und das auch Schießszenen auf offener Straße glaubwürdig gestaltet werden können.
Für den Aufbau des Romans wurden zwei verschiedene Handlungsabläufe spannungsvoll montiert. In einer Rückblende erlebt der Leser den Einsatz eines Spezialkommandos im Kosovo bei der Festnahme eines Kriegsverbrechers. In der aktuellen Handlung erfolgt die Jagd nach einem osteuropäischen Gangsterboss. Die Rückblende könnte als separate Geschichte auch komplett vorher gelesen werden. Sie sorgt aber durch die Montage zwischen den anderen Kapiteln für besondere Spannung. Die Spannung insgesamt schafft der Autor einerseits durch actionreiche Szenen, durch viele Cliffhänger am Ende der Kapitel, durch innere Widersprüche und Konflikte in den Gedanken des Protagonisten und durch immer wieder neue Wendungen im Verhalten der Figuren. Die wenigen, verlässlichen Ausnahmen sind eher Nebenfiguren. Schließlich bleibt dem Leser immer das Bangen, ob es Rubeck mit seinem Verhalten nicht doch irgendwie an den Kragen geht.
Hart, dreckig, Frankfurter Bahnhofsviertel, actiongeladen hat Gregor Weber seinen Protagonisten voll mit Emotionen gespickt und ihm einen interessanten Lebenslauf verpasst, der nicht nur von der Campingplatzidylle des Soldatsseins berichtet. Ein Thriller für alle, die es hart mögen.

Weber, Gregor
Asphaltsseele

Heyne Verlag, München
ISBN9783453270206

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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